Die Iren nennen die Covid-19 Krise “The Emergency” (die Notlage). Auch der 2. Weltkrieg ist im irischen Volksmund als “The Emergency” bekannt.

Notfälle ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte Irlands. Hungersnöte und Seuchen plagten die Iren über Jahrhunderte. Ein Volk welches fast 800 Jahre von einer fremden Herrschaft dominiert wurde. Dies hat dazu geführt, dass die Iren zu einer äußerst eng geknüpften Gesellschaft wurden.

Die Iren – Eine große Familie

In Irland dreht sich alles um die Familie. Nicht selten leben mehrere Generationen unter einem Dach, ansonsten lebt der Clan oft in unmittelbarer Nachbarschaft. Irische Familien zählen im Durchschnitt 150 Mitglieder. Das Leben in Irland findet generationsübergreifend statt. In Irland sagt man gerne “Blut ist dicker als Wasser”. Damit möchte man die Bedeutung des Familienzusammenhalts zum Ausdruck bringen. Darüberhinaus sind dann die einzelnen Familien befreundet und oft durch Heirat miteinander verbunden. Das ist dann die erweiterte Familie
Die irische Familie ist das Epizentrum Irlands.

Soziale Kontakte sind für die Iren ein enorm wichtiger Bestandteil ihrer Psyche. Die Iren sind ein Volk, welches sich gerne zu jeder Gelegenheit versammelt. Ob Kirchen, Pubs, Sportplätze, Kinos etc., sie sind immer gut besucht; man trifft und sieht sich gerne.

Erste Einschränkungen griffen nicht

Die in Irland ausgerufene Notlage fordert die Bevölkerung dazu auf zusammenzuhalten und sich “sozial zu distanzieren”. Das Haus sollte man nur zum Einkaufen, zur körperlichen Ertüchtigung und falls beruflich unbedingt notwendig, verlassen. Das überforderte viele Iren.

Tatsächlich führte dies dazu das an einem ganz gewöhnlichen Tag mehr Menschen in den Parkanlagen, an den Stränden oder in den Wäldern Irlands unterwegs waren, als vor der Krise. Auch die Verkehrsadern Irlands waren zu jeder Tageszeit sehr gut befahren. Die Menschen haben mehr Zeit.

Auch die Tatsache das Familien enge Kontakte pflegen und somit Kinder regelmäßigen Kontakt zu ihren Großeltern und somit zu den gefährdetsten Mitgliedern der Gesellschaft haben machte die Behörden nervös.

Die Iren lassen sich nicht regieren. Das wissen die irischen Politiker. Man kann der Nation die Lage erklären, ihnen gewisse Vorgehensweisen nahelegen, ihnen erklären was passiert wenn sie nicht mitziehen und dann hoffen das es bei den Bürgern irgendwie ankommt.
Die Iren hatten die Botschaft ihrer Regierung vernommen. Sie fühlten sich, genau wie andere Völker dieser Welt, von den aktuellen Ereignissen überwältigt. Warum, fragt man dann, verließen sie alle das Haus und stürmten das irische Hinterland?
Sie suchten, sozial distanziert, die Nähe zum Nächsten. Sie wollten einander Solidarität bekunden indem man sich begegnete, sich zunickte und auf Distanz gerufene Sätze austauschte. Sätze der Aufmunterung.
Die Iren hörten die Ratschläge der Experten und passten ihren Lebensstil entsprechend an.

Die Iren hatten bereits zum Abend des 12. März 2020 alle öffentlichen Einrichtungen (Schulen, Hochschulen, Museen, Büchereien etc), sportliche Veranstaltungen und jegliche Versammlungen von Menschen von mehr als 100 (innen) und 500 (draußen) eingestellt. Sie handelten bereits vor anderen europäischen Staaten, mit Ausnahme Italiens.

Die Prognosen des irischen Gesundheitsamtes der voraussichtlichen Verbreitung des Virus, hatten sich soweit nicht bestätigt. Das Virus schien sich viel langsamer zu verbreiten als vorausgesehen. Die Maßnahmen der Iren, ob staatlich oder bürgerlich, schienen zu wirken. Aber es war noch nicht aller Tage Abend.

Angst vor dem Zusammenbruch

Das irische Gesundheitswesen hinkt anderen westlichen Ländern etwas hinterher. In Irland gibt es, auf die Bevölkerung umgerechnet, noch weniger Intensivbetten, Pfleger und Ärzte als in Italien. Die Behörden müssen mit “worst-case-Szenarien” planen und wenn ein solches Szenario eintritt, würde das gesamte Gesundheitswesen in sich zusammenbrechen. Daher wurden am 27. März 2020 weitere Maßnahmen ergriffen.

Ausgangssperre mit Ausnahmen

Alle nicht notwendigen Betriebe, inklusive Produktionsstätten, wurden geschlossen. Wer noch arbeiten muss oder kann, soll dies von zu Hause aus tun.

Das Haus darf man nur noch verlassen um Lebensmittel oder Medikamente zu besorgen, ärztliche Termine wahrzunehmen, oder um sich in einem Radius von zwei Kilometern körperlich zu ertüchtigen. Dabei kann man sich mit allen, im eigenen Haushalt lebenden, Menschen umgeben oder mit höchstens drei weiteren Personen aus dem erweiterten Kreis treffen. Über 70-jährige sollen sich “verpuppen” und jeglichen Kontakt mit anderen Menschen meiden.

Die Straßen Irlands sind leer. Als Journalist bin ich von diesem Ausgangsverbot befreit. Ich beschränke meine Bewegungsfreiheit allerdings auf ein Minimum und verlasse das Haus nur wenn es wirklich nicht anders geht. Mir ist dabei aufgefallen das man auf den leeren Straßen Irlands nicht schneller vorankommt. An jeder Ecke, hinter jeder Kurve gibt es Polizeikontrollen. Polizei gibt es insgesamt in Irland sehr wenig. Eigens für diese Krise, wurden Polizeischüler, die teilweise nur wenige Wochen lernten, als Polizisten eingeschworen.
Bei den sehr verbreiteten Kontrollen wird trotz Ausweise etc noch einmal überprüft ob es tatsächlich notwendig ist, ob man das Haus verlassen musste.

Irland´s Ruf

Das irische Gesundheitsministerium hat eine Kampagne namens “Ireland´s Call” (Irlands Ruf) gestartet. Demnach hat das irische Gesundheitswesen Bürger gesucht, die während des Notfalles, den medizinischen Kräften zur Seite stehen. Eine Volksmobilisierung. Man sucht Ärzte, Schwestern und Pfleger im Ruhestand, Fahrer, Bürokräfte, Sicherheitskräfte etc. Innerhalb weniger Stunden meldeten sich 40,000 Bürger. Iren kehrten aus dem Ausland zurück um Irlands Ruf zu folgen.

  • Irische Whiskey Brennereien produzieren kostenlos Alkohol als Zutat zur Produktion von Desinfizierungsmitteln.
  • Es gibt großzügige Spendensammlungen “Feed the Frontline” (Füttert die Front), über welche innerhalb weniger Stunden €330.000 gesammelt wurden um die Beschäftigten der Krankenhäuser zu verpflegen.
  • Geschlossene Hotels stellen ihre Räumlichkeiten kostenlos für Covid-19 Erkrankten zur Verfügung, die sonst Probleme hätten sich einer vernünftigen häuslichen Quarantäne zu unterziehen.

Zur Zeit haben sich die offiziellen Hochrechnungen zum “worst-case-Szenario” nicht bewahrheitet. Hoffentlich bleibt es so.
Die Iren, ein “ungehorsames Volk”, mögen keine Regeln; doch sie hören zu, sie denken nach und handeln nach besten Gewissen.

 

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