Clonmacnoise ist ein magischer Ort, gelegen am Ufer des Shannon – dem längsten Fluß der britischen Inseln.

Mit einem Blick auf eine Irland-Karte, stellt man fest das die Anlage genau in der Mitte Irlands liegt. Als Mitte des 6. Jahrhunderts der Heilige Ciarán, seine sieben Gefolgsleute und sein Freund, Prinz Diarmait die Anlage gründeten, waren sie sich dieser Tatsache bewusst.
Irland war seinerzeit auf dieser Höhe nur über eine Moräne von Ost nach West (bzw. von West nach Ost) trockenen Fußes durchquerbar. In Clonmacnoise stieß diese Moräne auf den Fluss Shannon, die seinerzeit wichtigste Süd/Nord bzw. Nord/Süd Verbindung. Mit anderen Worten, Clonmacnoise war ein Verkehrsknotenpunkt ohne gleichen.
Hier sind Reisende umgestiegen. Vom Wasser auf´s Land und vom Land auf´s Wasser.
Das war genau der richtige Ort um eine Herberge zu gründen.

Die Botschaft war befremdend

Als die frühen Christen versuchten die Botschaft an den Mann und an die Frau zu bringen, stießen sie mit Sicherheit auf Skepsis. Es war keine Sache von “darf ich vorstellen – Jesus” und die Sache war erledigt.

Während des frühen Christentums gab es in Irland etwa 150 Königreiche. Die Könige Irlands hatten mit Sicherheit nicht viel übrig für die Botschaft, dass es jemand bedeutenderes und einflussreicheres geben sollte als sie es waren. Darüberhinaus waren die Druiden Irlands nicht zu unterschätzen. Sie waren nicht nur die Berater der Könige, sondern sie standen im Kontakt mit den Göttern. Götter an die die Menschen seit jeher glaubten. Dem irischen Fußvolk, Königen und gar den Druiden zu erklären das all dies woran sie glauben null und nichtig ist und das es nur einen Gott gibt, war mit Sicherheit befremdend und unter Umständen sogar gefährlich.

Lasst die Menschen zu uns kommen

Menschen denen man versucht eine befremdete Botschaft zu vermitteln fühlen sich verunsichert. Unsicher darüber wie sie damit umgehen sollen. Sie tendieren dazu sich zu distanzieren.

Wenn Menschen auf die man zugeht sich distanzieren, muss man einen Weg finden sich ihnen zu nähern ohne das sie sich eingeengt fühlen und hier kommt Clonmacnoise als bestes Exempel in´s Spiel.

Wie oben erwähnt, stiegen die Reisenden in Clonmacnoise, dem bedeutendsten Verkehrsknotenpunkt Irlands, vom Shannon zu Land um. Sie ruhten, ließen ihr Schuhwerk flicken, tauschten sich aus und die Mönche hatten die Gelegenheit, wo sie schon einmal da waren, ihnen das Wort Gottes mit auf den Weg zu geben.

Stumme Zeitzeugen der Geschichte

Wenn man durch Irland reist sieht man Ruinen aus allen Epochen der irischen Geschichte. Prähistorische Heimstätten, frühchristliche Anlagen, Hinterlassenschaften der Wikinger, Festungen der Normannen, Kirchenskelette aus Zeiten Cromwell´s, verlassene Häuser und Dörfer der großen Hungersnot, Ruinen aus dem 21. Jahrhundert – Hinterlassenschaften der größten Wirtschaftskrise seit Gründung des Staates.

In Clonmacnoise stößt man auf drei Hochkreuze aus dem 8., 9. und 10. Jahrhundert, auf einen Rundturm aus dem 12. Jahrhundert, auf Kirchenruinen aus dem 10. bis 14. Jahrhundert. Eine Anlage, welche bis in´s 12. Jahrhundert ein Ort der Ruhe und doch der Geselligkeit war. Wo Menschen sich begegneten. Wo Handel getrieben wurde, ein Ort wo Menschlichkeit im Vordergrund stand. Ein Ort wo gebetet wurde. Ein Ort wo gemordet wurde.

Überfälle, Plünderungen und ein friedliches Ende

Siedlungen wie Clonmacnoise wurden oft überfallen. Wenn man einen Iren fragt wer diese Anlagen überfallen hat, dann waren es natürlich in erster Linie die Engländer. Die Iren machen für alles Negative die Engländer verantwortlich.
Die meisten Überfälle verübten jedoch die Iren selbst. Ob es jedoch die Wikinger, Engländer oder die Iren selbst waren – alle hatten eines gemeinsam. Sie mordeten und legten die Anlagen in Schutt und Asche. Doch Clonmacnoise überlebte all die Überfälle und Plünderungen und schlief dann langsam ein.

Eingeschlafen vor König Heinrich VIII

Viele der frühchristlichen Anlagen Irlands wurden durch die Truppen Heinrich VIII gewaltsam geschlossen. Die Mönche wurden in der Regel vertrieben oder gar ermordet. Nicht so in Clonmacnoise.

Mit der Ankunft der ersten römisch-katholischen Orden im 12. Jahrhundert ließen sich auch im nahe gelegenen Athlone einige dieser Orden nieder. Mönche von Clonmacnoise hörten von ihnen und wurden neugierig. So gingen einige von ihnen um sich diese “Römer” einmal anzuschauen. Sie waren sehr beeindruckt. Sie kehrten zurück zu ihrer Siedlung und berichteten von diesen modernen Gemeinschaften. Was für ein “Komfort”! Was für eine Ordnung! So schließen sich die Mönche von Clonmacnoise einer nach dem anderen einem der römisch-katholischen Orden an und die Anlage schlief friedlich ein.

Papst Johannes Paul II in Clonmacnoise

Im Rahmen seines Besuchs in Irland hielt Papst Johannes Paul der II am 30. September 1979 in Clonmacnoise vor über 20.000 Menschen eine Ansprache. “Die Ruinen von Clonmacnoise sind nach wie vor mit Energie eines großen Auftrages geladen” so der Papst.