Die grüne Insel der Elfen und Regenbögen. Da liegt es doch eigentlich auf der Hand das man von einem Fleckchen Erde ausgehen kann, wo das natürliche Anbauen von Lebensmitteln im Mittelpunkt steht.

Dem ist nicht so. Mit dem Gedanken, Irland auf die Landkarte der Biolandwirtschaft zu setzen, spielen die Iren schon lange. Doch einen wirklichen Ruck hat es diesbezüglich noch nicht gegeben.

Ich bin oft mit Landwirten aus dem deutschsprachigen Raum unterwegs, auch Biobauern (wie meine nächste Gruppe vom Bayrischen Bauernverband). Kontinentaleuropäische Biobauern sind immer ganz verdutzt wenn sie feststellen, wie schwer sich die Iren tun sich der Biolandwirtschaft zu widmen. Nicht das sie nicht wollen, aber es gibt sehr viel was den Weg dorthin nicht einfach macht.

Naturnah ist auch gut

Für viele irische Landwirte, ist die Bürokratie welche Biolandwirte ausgesetzt sind, überwältigend. Wenn die kontinentaleuropäischen Kollegen zum Abschluss einer einwöchigen Irlandreise die Heimreise antreten sind sie sich in der Regel einig – “kaum Biolandwirtschaft, aber doch sehr naturnah”.

Für den irischen Nahrungsmittelerzeuger steht fest – wenn Irland auf dem Etikett steht, verkauft sich das Produkt von selbst.

Knapp 80% der landwirtschaftlichen Nutzfläche Irlands wird zur Weideviehhaltung genutzt. Fast 80% der verbleibenden landwirtschaftlichen Nutzfläche wird zur Erzeugung von Viehfutter genutzt. Dem Vieh geht es gut. Die meisten Kühe und Schafe stehen den größten Teil des Jahres auf der Weide. Das irische Klima macht es möglich.
Das irische Gras wird auch “grünes Gold” genannt. Die Weidetierhaltung verhilft zu niedrigen Produktionskosten. Ställe und die damit verbundenen Betriebs- und Instandhaltungskosten fallen weg. Zugefüttert wird in der Regel nur Silage. Kraftfutter bleibt weitgehend aus. Das gesagt, gibt es natürlich auch in Irland große Milchwirtschaftsbetriebe die hier und da auch Kraftfutter an die Kuh bringen, aber das hält sich im europäischen Vergleich sehr in Grenzen.

Die Weidetierhaltung trägt auch zu niedrigeren Tierarztkosten bei.

Ich möchte ja, aber…

Fragt man einen irischen Landwirt, warum er nicht zur Biolandwirtschaft wechselt stößt man oft auf eine nachdenkliche Antwort. Der Gedanke ist da, aber die Realisierung ist schwierig. Einen Biohof aufzubauen dauert. Auf der anderen Seite fühlen sich viele Landwirte überfordert, wo doch die Nachbarn alle eine “herkömmliche” Landwirtschaft betreiben.

Redet man mit Bauern die den Sprung gewagt haben hört man oft das es sich wirklich gelohnt hat. Nicht nur finanziell, sondern auch im Bezug zum eigenen Boden und den Erzeugnissen. Die Biobauer Irlands sind zu Recht stolz das sie die Vorreiter sind. Aber es gibt auch riesige Probleme.
Kürzlich redete ich mit einem Biobauern, der aufgrund gesundheitlicher Gründe seine Rinder aufgeben musste. Er hat viel Land, er baut etwas Viehfutter und Hafer (für Bio-Haferflocken) an, doch dass meiste Land ist Weideland.
Als ich ihn das letzte mal traf war er regelrecht depressiv. “Was soll ich nur machen?” fragte er. “Meine Kinder haben kein Interesse am Hof. Das Weideland ist zu nass, kann also nicht als Weideland benutzt werden. Wenn ich das Weideland an einen meiner Nachbarn verpachte (irische Bauern verkaufen nur äußerst selten) ist meine Jahrzehnte lange Arbeit die ich in diesen Boden gesteckt habe über Nacht kaputt.” Wie so oft, seine Nachbarn betreiben allesamt eine “herkömmliche” Landwirtschaft.

Bioware ja, aber…

Vom Erzeuger zur Verarbeitung. So, nun haben wir also etwa 2% irischer Landwirte, die sich der Bioland widmen. Vor gar nicht so langer Zeit sprachen wir noch von 1%. Es gibt also eine Art Trend, auch wenn er schleppend ist.

Dieser “Trend” sollte dazu führen das sich einige Produktionsstätten bildeten. Bio-Käse, Bio-Fleisch, Bio-Butter aus irischer Erzeugung und irischer Produktion frisch auf den Tisch. Hört sich doch toll an, oder? Ja, aber…
Was hilft es wenn die Verarbeitungsbetriebe nicht genügend irischer Bio-Erzeugnisse bekommen um sie auch zu verarbeiten. Wir haben also die Nachfrage, aber nicht das Angebot. Die irischen Bio-Verarbeiter müssen also auf ausländische Bio-Erzeugnisse ausweichen, da die irischen Bauern den Bedarf nicht decken können.

Und der Verbraucher?


Der irische Ottonormalverbraucher ist nicht so auf Bio-Ware fixiert. Die Republik Irland, mit einer Bevölkerung von knapp unter 5 Mio stellt keinen interessanten Markt. Um irische Bio-Ware nach Kontinentaleuropa zu exportieren braucht man dort vor Ort einen Markt. Zwischen 5 und 6% der kontinentaleuropäischen Landwirte sind Biobauern. Sie bieten ihre Ware vor Ort an. Dem europäischen Verbraucher geht es nicht mehr “nur” um die Erzeugung, es geht inzwischen auch um die CO²-Bilanz. Der irische Bio-Hersteller verspricht sich nicht sehr viel vom Angebot seiner Ware auf dem europäischen Biomarkt.

Der Verbraucher würde ja gerne, aber…

Irland ist eines der teuersten Länder Europas. Das Leben ist teuer, Bio-Ware ist sehr teuer. Irischer Lachs zum Beispiel, wird seit einigen Jahren ausschließlich biologisch gezüchtet. Die Iren sind darüber sehr stolz. Aber nicht so stolz das sie dafür auch zahlen wollen. Irischer Bio-Lachs kommt nur zu besonderen Anlässen auf den irischen Esstisch.

Hier wird auch sehr viel Schindluder getrieben. Im irischen Laden, versucht man den Verbraucher mit verwirrender Beschriftung hinter´s Licht zu führen. Steht doch oftmals auf der Verpackung “Irish Salmon” (irischer Lachs). Doch schaut man genauer hin, sieht man das zwischen irisch und Lachs noch das kleine Wörtchen geräuchert oder verpackt steht.
Den irischen Lachs erkennt man sofort am Preis. Ist der Lachs zu günstig, ist es höchstwahrscheinlich kein irischer Lachs.

Sogar bei den wenigen Biobauern, bei denen ich ein und aus gehe, steht oft keine Bioware auf dem Tisch. Es ist alles eine Frage des Geldes und der Überzeugung.