In Irland herrscht der Notstand. Seit Stunden schneit es ganz besonders entlang der Ostküste. Inzwischen messen wir fast 20 cm Schnee und zwischen -1 und -7 Grad Celsius. Für irische Verhältnisse ungewöhnlich. Der Schneefall wird sich über die nächsten Stunden langsam auf die gesamte Insel ausweiten. Ab morgen erwarten wir mit Sturm Emma einen Schneesturm wie man ihn seit über 35 Jahren nicht mehr erlebt hat.

Nichts geht mehr

Schulen wurden heute morgen geschlossen und bleiben bis Anfang nächster Woche zu. Krankenhäuser bedienen nur noch Notfälle. Rettungsdienste können viele abgelegene Orte nicht mehr anfahren. Wer Post erwartet muss sich gedulden. Die Post wird wohl bis Anfang nächster Woche auf sich warten lassen. Auch die Müllabfuhr kann unter den momentanen Bedingungen nicht auffahren. Ämter sind bis auf weiteres geschlossen. Dazu gehören auch Sozialämter und Postämter. Postämter werden nicht nur von Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen genutzt um ihre Bezüge zu beziehen, sondern auch von vielen Rentnern. Auch Kindergeld wird in den Postämtern Irlands ausgezahlt.

Läden haben nur bedingt geöffnet. Wozu auch, es gibt keine Ware. Die Lieferanten sind überfordert. Entweder schaffen sie es nicht den Hamsterkäufen nachzukommen, oder sie kommen aufgrund der Straßenbedingungen erst gar nicht an ihr Ziel. Seit gestern gibt es kein Brot mehr auf den Regalen. Auch Backmischungen sind inzwischen zur Mangelware geworden. Obst, Gemüse und Fleisch sind wahre Wunschgedanken. Es wurde berichtet das es in den Läden Irlands zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen ist.

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Auch Gerichte haben ihren Dienst erst einmal eingestellt. Sogar Kirchen reduzieren ihre Dienste auf “notwendiges” und dazu gehören nicht unbedingt Gottesdienste.

Ab 16 Uhr wird morgen darüber hinaus auch noch Sturm Emma erwartet. Emma soll mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h zu verheerenden Schneeverwehungen beitragen. Ab 16 Uhr sollen die Iren ihr Haus nicht mehr verlassen. Diese “Ausgangssperre” gilt bis 12 Uhr am Freitag. Es ist keine wirkliche Ausgangssperre. Die Iren lassen sich so etwas nicht vorschreiben. Die Behörden bitten lediglich darum – in der Hoffnung, das die Bevölkerung die Situation ernst nimmt.

Armee ist bereit

Landwirte total überfordert

Zwischenzeitlich wurde die irische Armee in Bereitschaft gesetzt. Wenn es sein muss, werden sie sich um die Versorgung der Bürger bemühen und die Zugangsstraßen freimachen. Wenn es hart auf hart kommt, werden sie auch den Landwirten zur Seite stehen. Die irische Landwirtschaft konzentriert sich in erster Linie auf Viehhaltung. Das irische Vieh steht größtenteils jahrein jahraus auf den Weiden. Es gibt kaum Ställe. Dazu kommt noch es der Beginn der Lammzeit ist. 2013 hatten wir bereits erlebt, dass es im März zu einem plötzlichen Temperatursturz kam und nach gewaltigen Schneefällen tausende von Lämmern auf den Weiden Irlands verendeten. Nicht nur gibt es für die Tiere keine Nahrung oder Wasser (gefroren) auf den Weiden, die jungen Lämmer sind zu schwach um der Kälte  gewachsen zu sein. Entweder sie verhungern oder verdursten, dann erfrieren sie.

Verkehr bricht zusammen

Die Iren kennen keine Winterreifen. Allwetterreifen sind zwar erhältlich, werden aber von den wenigsten Iren aufgezogen. In der Regel fahren die Iren mit Sommerreifen. Die Behörden haben die Iren aufgerufen ihre Fahrzeuge stehen zu lassen, soweit sie nicht mindestens 3 mm Profiltiefe haben. Abgesehen von den fehlenden Reifen, fehlt es den Iren in der Regel auch an Erfahrung, sich diesen Straßenverhältnissen anzupassen. Sie sind es nicht gewohnt im Schnee, Glatteis oder Schneefall ihre Fahrzeuge zu bewegen. Es kommt oft zu falschen Fahreigenschaften, welche teilweise zu schweren Verkehrsunfällen führen.

Bus-, Bahn- und Flugverkehr ist inzwischen fast komplett zum Erliegen gekommen und wird morgen gegen Mittag offiziell ganz eingestellt.

Wir bleiben auf dem Laufenden

Insgesamt sind die Iren ein Volk welches leicht mit Katastrophen umgehen kann. Doch in diesem Fall handelt es sich um ungewöhnliche Verhältnisse. Einen solchen Wintersturm zu meistern, heißt soviel wie einen mehrtägigen Sandsturm ausgesetzt zu sein. Das kennen die Iren auch nicht. Mal schauen wie es sich entwickelt. Hoffen wir, dass es nicht zu allzu vielen Schäden an Mensch und Tier gibt.