Flüchtlingspolitik ist in allen Regionen dieser Welt ein delikates Thema. Es ist ein Drahtseilakt. Auf der einen Seite möchte niemand beschuldigt werden unmenschlich zu sein, oder gar Menschenrechte mit Füßen zu treten. Auf der anderen Seite muss darf es das soziale Gefüge einer Gesellschaft nicht überlasten – sonst kann der menschlichste Akt zu einem großen Fehler werden.

Irland hatte 2015 versprochen bis zu 4.000 Flüchtlinge aufzunehmen. Laut Stand im September 2017 hatten die Iren insgesamt weniger als 1.300 Flüchtlinge aufgenommen und hatten somit zu diesem Zeitpunkt ihr selbsternanntes Ziel knapp unterschritten. Für 2018 hatte die irische Regierung die Aufnahme weiterer 600 Flüchtlingen angekündigt.

Nun wurde bekannt das 115 dieser Flüchtlinge in Lisdoonvarna, in der Grafschaft Clare, angesiedelt werden sollen. Lisdoonvarna hat zwischen 250 und 300 Einwohner (bis zu 700 während der Saison). Die Bewohner dieses Dorfes wurden vor erst wenigen Stunden darüber informiert, dass das King Thomond Hotel, ab Montag dem 5. März 2018 als Auffanglager für Flüchtlinge dienen soll. Der Hotelier Marcus White hat sein Hotel, über den Köpfen der Bewohner Lisdoonvarna’s hinweg, dem irischen Staat angeboten. Die höchstens 300 Seelen des Dorfes fühlen sich komplett überrumpelt und fordern das diese Entscheidung zurück gezogen werden soll.

Wir helfen gerne, aber bitte im Rahmen

Natürlich hat man Bedenken das diese Forderung dazu führen kann, dass die Einwohner Lisdoonvarna’s als unmenschlich oder rassistisch eingestuft werden. Doch das sind sie mit Sicherheit nicht. 115 Flüchtlinge in einem 300 Seelen Dorf anzusiedeln ergibt einfach überhaupt keinen Sinn. Das Dorf ist noch nicht einmal für die bestehenden Bewohner ausgerichtet. Es gibt kaum Schulplätze oder ärztliche Betreuung. Um ins Kino zu gehen reisen die Menschen nach Ennis (35km), Galway (65km) oder Limerick (80km). Die Busverbindungen in und aus dem Dorf sind mehr als dürftig. Die Flüchtlinge würden den ganzen Tag in ihrem Gebäude sitzen und an die Wände starren. Es gibt für sie in Lisdoonvarna nichts zu tun.

Lisdoonvarna ist eine Touristenhochburg

Lisdoonvarna ist das Tor zum Burren und auch als Drehpunkt des irischen “Matchmaking Festival” (Verkupplungsfest) bekannt. Der Ort ist aufgrund einer dort entspringenden schwefelhaltigen Quelle auch Kurort.

In Lisdoonvarna gibt es bei weitem mehr Fremdenbetten als Privatbetten. Viele der Fremdenbetten gehören zur White Hotelkette. Die Familie White führt auch den irischen Zweig von Trendtours. Die Fremdenbetten, inklusive das King Thomond Hotel, wurden über die vergangenen Jahre für wenig Geld an Reisegruppen verkauft. In Irland hat der Massentourismus teilweise solche Ausmaße angenommen, dass es wahrscheinlich lukrativer ist die Betten an den Staat für Flüchtlinge zu verkaufen, als sie für Billigtouristen festzuhalten. Vor allen Dingen belegt der Staat die Betten rund ums Jahr und nicht nur während der Saison, so wie die Reisegruppen. Eine ganzjährige Einnahme dürfte für die Hotelgruppe somit lukrativer sein.

Marcus White schwört allerdings das es hier nicht ums Geld geht. Es geht um die Menschlichkeit. Er selber hat eine Familie und sieht mit Schreck was in den Krisengebieten geschieht. Wie Kinder, Frauen und ältere Menschen leiden. “Diesen Menschen müsse geholfen werden”, so Marcus. Dem möchte in Lisdoonvarna auch niemand widersprechen. Doch müssen es denn so viele Menschen sein die in dieses kleine Dorf gebracht werden?