Seit meinem Beitrag “Obdachlosigkeit gerät außer Kontrolle” hat sich bezüglich der Obdachlosigkeit in Irland viel getan. Allerdings nicht im positiven Sinne. Die Politiker Irlands sind total überfordert. 2013 erklärte die damalige Regierung, das die Regierung dafür sorgen würde, dass es bis 2016 keine Obdachlosigkeit mehr in Irland geben wird. Inzwischen reden wir über fast 9.000 Obdachlose, mit fast 3.500 Kindern, machen sie mehr als ein Drittel dieser Zahl aus. Zwischen September 2016 und September 2017 hat es einen 25%igen Anstieg gegeben. Noch nie, in der Geschichte des irischen Staates, gab es mehr Obdachlosigkeit in Irland (mit Ausnahme der großen Hungersnot).
Gleichzeitig haben wir über 184.000 leerstehenden Wohnraum. Teilweise Häuser, welche vom Eigentümer nicht mehr genutzt werden und vor sich hin verfallen, oder ganze Siedlungen welche zu Zeiten des Wirtschaftswahns gebaut wurden, aber nie an den Mann oder die Frau gebracht wurden.

Das Problem breitet sich langsam in ganz Irland aus, obwohl auch heute die meisten der Obdachlosen in Dublin zu finden sind.  Ganz besonders Cork und Limerick sind von immer mehr Obdachlosigkeit betroffen. Nicht selten sind es Menschen, die aus dem ländlichen Irland in die Städte kommen, um dort Arbeit zu finden, welche sich am Ende in den Straßen als Bettler und Obdachlose wieder finden.

Ein Problem der Gesellschaft

Obdachlosigkeit hat Irland erstmals zu Zeiten der großen Hungersnot, Mitte des 19. Jahrhundert, fest im Griff gehabt. Während des 20. Jahrhunderts waren die Obdachlosen Irlands in der Regel männlich. Oft mit Alkoholsucht, oder anderen Suchtproblemen. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts stellen die Behörden fest, dass immer mehr Frauen und Kinder obdachlos sind.

Die Hotel-Kinder Irlands

Obdachlose Frauen und Kinder werden, ganz besonders in Dublin, in Hotels untergebracht. Dort teilen sie sich oft zu zweit, dritt oder gar viert ein Doppelzimmer. Sie haben keine Kochmöglichkeiten. Eine gesunde Ernährung wird somit erschwert, wenn nicht sogar verhindert – sie sind auf Essen aus dem Imbiss angewiesen.
Die Hotel-Kinder Irlands drohen ihre Kindheit zu verlieren. Es fehlt ihnen an Spielraum. Es ist normal in Irland, dass Kinder bei Freunden zu Hause spielen oder auch ein “sleepover” haben. Die obdachlosen Kinder Irlands schämen sich für ihr Hotelzimmer. Sie können keine Freunde zum spielen oder übernachten einladen. Wo sollen sie spielen? Wo sollen die Freunde schlafen? Überhaupt, der Scham der Obdachlosigkeit erlaubt erst gar nicht diesen Gedanken.

Natürlich fehlt auch den Müttern ein eigenes Dach über dem Kopf. Oft schlafen sie weinend ein oder wachen durch das weinen ihrer Kinder wieder auf. Sie fühlen sich als Versager. Sie glauben sie haben ihre Kinder im Stich gelassen. Die obdachlosen Mütter und Kinder Irlands sind nicht selten die Opfer einer gescheiterten Ehe. Die überwiegende Mehrheit der Iren leben im Eigenheim. Mietwohnraum ist rar und wenn es ihn gibt, unbezahlbar. Sozialer Wohnungs- und Häuserbau läuft schleppend.

Minister Simon Coveney versprach über einen Zeitraum von fünf Jahren 4.700 neue soziale Wohneinheiten zu schaffen. 2017 ließ er 37 dieser Einheiten bauen.

Wohnraum-Markt in Irland

Der Wohnraum in Irland ist etwas anders strukturiert als in den meisten mitteleuropäischen Ländern. Fast 80% der Bevölkerung lebt im Eigenheim. Dies ist für die Iren sehr wichtig. Allgemein kann man sagen, dass wenn man über kein Eigentum besitzt, hat man etwas falsch gemacht. Man ist sozial schwach.

Sozialer Wohnraum zum mieten und kaufen

Für jeden Bürger soll es die Möglichkeit geben über Eigentum zu verfügen. Die unterste Stufe des Wohnraums ist das Sozialhaus bzw. die Sozialwohnung. In der Republik Irland teilen sich etwa 65 Menschen einen km². Bei so viel Platz kann man es sich leisten Siedlungen für den sozialen Häuserbau aus dem Boden zu stampfen. Dies ist während der 60er und 70er Jahren auch geschehen. Hier gibt es Wartelisten auf welche man sich eintragen kann. Es dauert teilweise Jahre bis man ein solches Haus, samt kleinen Garten, bekommt. Aber wenn man einmal in einem solchen Haus ist und sich nichts zu schulden kommen lässt, ist ein solches Haus auf Lebenszeit. In den meisten Gemeinden, kann man das Haus letztendlich auch vom Staat kaufen. Und das zu besten Konditionen.

Erschwinglicher Wohnraum zum Kaufen

Die nächste Stufe ist “affordable housing” (erschwinglicher Wohnraum). Hier werden in erster Linie Häuser für die Bürger gebaut, die auf dem freien Immobilienmarkt keine Chance haben. Entweder werden die Häuser vom Staat, oder in einer Kooperation zwischen Staat und privater Wirtschaft gebaut und dem Bürger für erschwingliches Kapital verkauft. Dieser Häuserbau wird vom Staat stark subventioniert.

Wohnraum auf dem freien Immobilienmarkt

Immobilien zum Kauf

Die meisten Iren kaufen ihr Eigenheim in der Regel auf dem freien Immobilienmarkt, oder sie bauen auf dem Grundstück der Familie. Irland ist eine freie Marktwirtschaft, somit werden die Preise der Immobilien von Angebot und Nachfrage gelenkt. Seit der großen Wirtschaftskrise wurde auf dem freien Markt kaum noch gebaut.
Die ersten Opfer der Krise waren die Bauherrn Irlands. Im gleichen Atemzug hatten die Banken auch kein Geld mehr. Es konnte also nichts mehr gebaut werden. Nicht das es Käufer gegeben hätte. Jetzt geht es den Banken langsam wieder besser. Doch wo sind die Käufer für private Immobilien? Der Markt erholt sich nur zögerlich. Die Kinder bleiben lieber noch etwas länger im Nest der Eltern. Der Immobilienkauf wird aufgeschoben.

Immobilien zur Miete

Die wenigsten Iren interessieren sich dafür auf dem privaten Markt Wohnraum zu mieten. In der Regel sind die Häuser und Wohnungen unbezahlbar.

Da sagt sich der Ire, dass das Geld welches er einem Vermieter in die Hand drückt genauso gut in ein Eigenheim investiert werden kann.

Traditionell wurde solcher Wohnraum entweder von Bürgern gemietet, welche sich zwischen Verkauf und Kauf einer Immobilie befanden und vorübergehend Wohnraum benötigten.
Auch Geschäftsleute oder Firmen haben für ihre Angestellte hin und wieder solche Immobilien angemietet. Die dritte Gruppe die sich für das anmieten solcher Objekte interessiert, sind Studenten. In diesem Fall werden die Häuser zu Wohngemeinschaften.
Die Mietverhältnisse auf dem freien Markt in Irland sind in der Regel kurzfristig. Irische Mietverträge auf dem freien Markt haben nie eine längere Laufzeit als 12 Monate.

Miethäuser auf dem freien Markt sind zu 99.9% möbliert. Als Mieter hat man so gut wie keine Rechte. Solange es nicht rein regnet, man eine verschließbare Haustüre hat und fließend Wasser, kann man vom Vermieter eigentlich nichts weiter verlangen. Bis heute haben viele irische Vermieter nicht begriffen, dass sie mit ihrem Zweitschlüssel nicht nach Belieben ihr Eigentum betreten können.

Einen guten Überblick über den Wohnmarkt in Irland, kann man sich auf der renommierten Webseite www.daft.ie verschaffen.