Nachdem es sich heraus kristallisierte das zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich hinter verschlossenen Türen über Sonderkonditionen für Nordirland verhandelt wurde, möchten auch Wales, Schottland, London, Liverpool und Manchester mögliche Sonderkonditionen bzgl. eines Brexitdeals.

Mit anderen Worten wollen diese Regionen des Vereinigten Königreiches nicht auf die Vorzüge des grenzenlosen Waren- und Personenverkehrs verzichten.

Im Bezug auf Nordirland und Schottland ist das nachzuvollziehen, denn deren Wähler stimmten gegen Brexit. Da allerdings die Wähler von Wales und England, somit indirekt auch Liverpool, Manchester und London, für Brexit stimmten, stellt sich die Frage ob sie das Wahlergebnis vergessen haben oder jetzt tatsächlich feststellen was für Folgen mit dem Vollzug von Brexit auf sie zukommen.

Natürlich sind die Folgen für das gesamte Königreich im Falle eines harten Brexits nicht vorauszusehen, doch am härtesten dürfte ein harter Brexit, neben der Insel Irland, ganz besonders London treffen.

Der Londoner  Bürgermeister hat heute den “Wunsch” geäußert das er die Autobahn M25 um London herum als harte Grenze sehen könnte – somit könnte London Bestandteil der EU bleiben.

Brexit wird so nie passieren

Wie bereits im Beitrag “Deshalb wird Brexit NICHT stattfinden” geschrieben, kann die Scheidung des Vereinigten Königreiches von der EU so nicht stattfinden. Die Briten sind nicht nur in keiner Weise auf das Abenteuer Brexit vorbereitet, sondern der Schein das niemand wirklich den Brexit in seiner wahren Form möchte, wird immer mehr zur Wirklichkeit.

Was für die Briten wichtig ist, ist freier Warenverkehr. Was sie nicht möchten ist freier Personenverkehr. Ein Stolperstein, welcher ganz besonders in Hinsicht auf die Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland ganz besondere Dimensionen annimmt. Für die Iren, ob im Süden oder Norden der Insel, ist eine geschlossene Grenze zwischen Nord und Süd in keiner Weise annehmbar. Doch sollte es tatsächlich zu einem Brexit kommen, dann müsste diese einzige Landesgrenze zwischen der EU (Irland) und dem Vereinigten Königreich (Nordirland) geschlossen werden. Wie sonst kann man Waren- und Personenverkehr kontrollieren?

Dies geht aber nicht. Alleine das Karfreitagabkommen (auch als Belfaster Vertrag bekannt) lässt dies nicht zu. Das Karfreitagabkommen wäre somit hinfällig und somit auch der Frieden in Nordirland und wahrscheinlich auf den gesamten britischen Inseln. Der Nordirland-Konflikt würde wieder aufflammen. Vielleicht nicht in der Form wie wir ihn in den 70er, 80er und 90er Jahren kannten, aber die Gefahr besteht das es wieder anfängt zu brodeln.

Nordirland – ein Dilemma für die EU

Laut dem international rechtskräftigen Karfreitagabkommen haben die Bürger Nordirlands einen Anspruch auf die irische und/oder die britische Staatsangehörigkeit. Seit dem Brexit Referendum hat es bereits einen enormen Anstieg bezüglich Anträge für irische Pässe gegeben. Irland ist EU Mitglied, somit sind Bürger mit irischen Pässen EU-Bürger. Sollte Brexit tatsächlich vollzogen werden, dann wird es in Europa eine Region (Nordirland) geben, welche zwar nicht zur EU gehört, aber überwiegend EU-Bürger hat. Wie wird die EU damit umgehen? Den Briten kann das nur Recht sein. Das Vereinigte Königreich hat so einen Joker in der Hand, welchen sie mit Sicherheit zu gegebener Zeit zu ihren Gunsten aufspielen werden.