Über 200 Jahre wurden die Katholiken Irlands unterdrückt. Mit dem ausrollen der protestantisch anglikanischen Kirche durch den englischen König Heinrich VIII verlor die katholische Bevölkerung Irlands ihre Menschenrechte. Wenn man sich weigerte sich der neuen Konfession anzunehmen wurde man gesellschaftlich ausgegrenzt. Man durfte über keinerlei Grundbesitz verfügen, konnte keine öffentlichen Ämter ausüben und durfte nicht innerhalb der Stadtmauern Irlands leben. Es ging soweit, dass zeitweise katholische Priester, welche sich dem Verbot widersetzten, durch Kopfgeldjäger gejagt wurden.

Mit Daniel O’Connell sollte sich das ändern. Daniel kam aus einem alteingesessenen irischen Hause in Kerry. Durch die englische “Landreform” verlor die katholische Familie all ihren Grundbesitz. Daniel wurde es ermöglicht in Frankreich Jura zu studieren. Das Studium beendete er letztendlich im King’s Inn College, Dublin.
Zu dieser Zeit, in seinen frühen 20ern traf er auf pro-demokratische Radikale. Das inspirierte O’Connell ein Ziel der religiösen Toleranz und eine Politik der Gleichberechtigung zu verfolgen.

1798 befand sich Daniel O’Connell plötzlich in einem Dilemma. Auf der einen Seite hatte er sich einer Bürgerwehr angeschlossen, welche dazu diente die von den Briten eingesetzte Regierung zu schützen. Auf der anderen Seite sind in Bantry (Grafschaft Cork) französische Truppen gelandet, welche Irland befreien sollten. O’Connel war ein Katholik. Die Katholiken wurden mehr und mehr von der “Regierung” Irlands (Großbritannien) verfolgt. Er war also Mitglied einer Bürgerwehr welche seine eigenen Glaubensgenossen verfolgten. Eine große Unsicherheit machte sich in ihm breit. Sein Lebensziel war es eine politische Laufbahn zu verfolgen. Doch die zwei Jahre zuvor erlangte politische Emanzipation der Katholiken wurde, aufgrund der politischen Unruhen, durch ein Veto wieder rückgängig gemacht.

Daniel O’Connell war sich, als Jurastudent, seiner Talente bewusst. Sich in der Justiz des britischen Empires weiterzuentwickeln wurde ihm als Katholik jedoch verwehrt. Während seines Studiums hatte sich O’Connell der rechtlichen und politischen Geschichte Irlands gewidmet. Er kam zu dem Entschluss, dass die britisch geführte Regierung nur im Sinn hatte  das überwiegend katholische Volk zu unterdrücken um die Vorherrschaft der betuchten anglikanisch protestantischen Minderheit aufrecht zu erhalten.

Im Mai 1798 wurde Daniel O’Connell offiziell als Rechtsanwalt anerkannt. Kurz darauf kam es zu einer gewaltigen Rebellion. Unter der Führung von Wolfe Tone vereinten sich Protestanten und Katholiken Irlands um sich gegen die britische Krone zu erheben. Die Briten erstickten diesen Aufstand. Es kam zu einem gewaltigen Blutbad. O’Connell, welcher sich zwischenzeitlich irischen Rebellen angeschlossen hatte, kämpfte bei den Unruhen nicht mit. Er glaubte nicht an Gewalt. Er war der Auffassung das der Konflikt in Irland auf politischen Wege gelöst werden müsse.

Danach hörte man gut zehn Jahre kaum etwas von ihm. Er hielt sich ziemlich bedeckt und arbeitete im Süden Irlands still als Rechtsanwalt dahin. Er galt als der best verdienende Anwalt Irlands und trotzdem war er stets hoch verschuldet. Sein Bruder sagte einmal das Daniel seit seinem 17. Lebensjahr ununterbrochen verschuldet war. Dazu trug unter anderem eine immer weiter anwachsende Familie und ein sehr extravaganter Lebensstil bei. O’Connell wusste das er das Anwesen seines Onkels Maurice erben sollte. Was er jedoch nicht wusste war, dass sein Onkel 100 Jahre alt werden würde. Als Daniel O’Connell letztendlich das Erbe antrat, reichte es nicht aus um seine Schulden zu decken.

Kampf um katholische Emanzipation

1810 kehrte O’Connell in die Politik zurück. 1811 gründete er die “Catholic Board”, welche eine katholische Emanzipation forderte, dazu sollte auch gehören das Katholiken als Parlamentarier agieren können.

O’Connell hielt enorme Massenveranstaltungen in ganz Irland und war bekannt für großartige Reden. In Einzelfällen sollen über 1 Millionen Menschen zu seinen Mammutveranstaltungen erschienen sein. Im Zuge seiner Reden hielt er kein Blatt vorm Mund und hat dabei auch schon mal das eine oder andere Mitglied der britischen Administration Irlands beleidigt.
1815 hat er zum Beispiel die britische Administration in Dublin eine “Gesellschaft von Bettlern” genannt. Die britische Administration war empört und forderte O’Connell auf sich umgehend und öffentlich zu entschuldigen. Daniel O’Connell ignorierte diese Aufforderung und wurde daraufhin zum Duell herausgefordert. O’Connell nahm die Herausforderung an.

Das Duell

Im Dublin Castle, dem Herzen der britischen Vorherrschaft Irlands, war man ganz aufgeregt. Mit Sicherheit würde der Pazifist Daniel O’Connell dieses Duell verlieren. Von britischer Seite hat man John D’Esterre für das Duell abgestellt. Ein sehr erfahrener Duellant.

Das Duell sollte mit Pistolen ausgetragen werden. O’Connell traf D’Esterre in der Hüfte. Von der Hüfte fand die Kugel ihren Weg in den Magen des Kontrahenten. Daniel O’Connell war bestürzt. Nicht nur hatte er ein Menschenleben auf dem Gewissen, er hat auch die Familie seines Kontrahenten mittellos gelassen.
Von Schuldgefühlen geplagt bot O’Connell der Witwe John D’Esterre’s an sein Einkommen mit ihr zu teilen. Die Witwe lehnte das Angebot ab, akzeptierte jedoch eine monatliche Zahlung für die verwaiste Tochter. O’Connell zahlte für die Tochter 30 Jahre lang, bis zu seinem Tod, Unterhalt.
Dieses Erlebnis verfolgte ihn den Rest seines Lebens. Er schwor sich nie wieder einem Kampf zu stellen.

Catholic Association

1823 gründete er die “Catholic Association”. Ein Verband welcher sich für die Rechte der Katholiken in Großbritannien und Irland einsetzte – primär Wahlreform, wirtschaftliche Entwicklung und die Reform der etablierten Church of Ireland (Anglikanische Kirche).
In der Vergangenheit waren diese Art von Verbänden auf den Mittelstand der Katholiken ausgerichtet. Dieser Mittelstand war dünn gesät. Die Zielgruppe der “Catholic Association” jedoch war die einfache Landbevölkerung. Die katholischen Bauern Irlands – Millionen von Bürger. Der Mitgliedsbeitrag betrug 1 Penny im Monat. Nach dem Motto Kleinvieh macht auch Mist und für jedermann erschwinglich. Die Gelder die auf diesem Wege zusammengetragen wurden, nutzte O’Connell für den Kampf um die katholische Emanzipation. Dazu gehörte es auch Wahlkämpfe zu gestalten, mit dem Ziel letztendlich irische Katholiken in das britische Parlament zu schicken.

O’Connell gewinnt Wahl

1828 stellt sich O’Connell Parlamentswahlen. Er tritt für die Grafschaft Clare an und gewinnt. Jedoch weigerte er sich einen Eid auf die britische Krone und somit auf das Oberhaupt der anglikanischen Kirche abzulegen. Der Eid musst eigens für Daniel O’Connell umgeschrieben werden. 1829 musste sich O’Connell von den Wählern der Grafschaft Clare im Amt bestätigen lassen und nahm, ein Jahr verspätet, seinen Sitz im britischen Unterhaus ein.

Zehnt-Krieg

1830 galt nach wie vor die protestantisch anglikanische Kirche als Staatskirche von Großbritannien und Irland. 85% der irischen Landbevölkerung war römisch-katholisch. Es gab auch eine ganze Reihe von Presbyterianern unter den Landarbeitern, welche von den Anglikanern genauso ausgegrenzt wurden wie die Katholiken. Diese Volksgruppen verstanden nicht das sie mit einer Sonderabgabe die Kirche der Minderheit finanzieren sollten. 1831 spitzte sich die Lage zu. Die katholische und presbyterianische Bevölkerung weigerte sich diese Abgabe weiterhin zu leisten. Die neu gegründete “Irish Constabulary” (britische Polizei in Irland) versuchte die ausstehenden Abgaben durch Pfändungen und die Androhung von Zwangsräumungen einzutreiben. Die zunächst friedliche Verweigerung der Kirchenabgabe wurde gewalttätig. Obwohl O’Connell Gewalt nicht befürwortete, vertrat er anwaltlich der Gewalt angeklagte Landarbeiter. Die Unruhen sollten sich von 1831 bis 1836 hinziehen.

Die Tatsache das es etwa einen Schilling kostete um einen Penny einzutreiben und der Umstand das während dieser Ausschreitungen sehr viel britisches Blut floss, zeigten sich die Briten kompromissbereit. Der Zehnt wurde zunächst ausgesetzt und dann um 25% gesenkt. Die Katholiken und Presbyterianer Irlands mussten bis 1869 weiterhin die anglikanische Kirche finanziell unterstützen.

Tod

1847, im Alter von 71 verstarb Daniel O’Connell auf einer Wallfahrt nach Rom. Sein Herz ist in Rom beigesetzt, sein Körper in einer großen Gruft auf dem Glasnevin Friedhof in Dublin.