Eine Recherche der “Irish Times” hat ergeben, dass junge Moslems im modernen Irland kaum Opfer rassistischer Übergriffe oder Bemerkungen sind. In einem Artikel vom 28. Januar 2017 schreibt Patsy McGarry über fünf junge Sunniten Moslems, welche in Irland aufgewachsen sind und über die Jahre Erfahrungen in der Grundschule, sowie weiterführenden Schule und Universitäten gemacht haben.

Geschichte des Islams in Irland

Die “Islamic Foundation of Ireland” wurde 1959 von jungen Moslems gegründet. In erster Linie handelte es sich bei den Gründern um Studenten des “Royal College of Surgeons” (Hochschule für Chirurgen) in Dublin.

1976 wurde das erste islamische Zentrum für gesamt Irland eröffnet.

1986 wurde in Ballyhaunis, Co. Mayo, die erste zweckmäßig gebaute Moschee eröffnet. In Ballyhaunis gibt es auch eine sehr große Halal Fleischverarbeitungsfabrik.

Im Rahmen der Volkszählung im Jahre 1991 zählte man in Irland 3.875 Moslems. Die meisten dieser Moslems waren Flüchtlinge aus Bosnien, Somalia und dem Kosovo.

2011 waren es offiziell bereits 49.204 Moslems. Die meisten waren eingewanderte Arbeitnehmer, welche während des “Celtic Tigers” (1998 bis 2007) nach Irland kamen.

Laut einem Sprecher der Moslems Irlands geht man momentan (2016) von zwischen 55.000 und 70.000 Moslems aus.

Mehr als die Hälfte aller Moslems in Irland stammen aus Asien und Afrika. Nicht wenige sind Studenten aus Malaysia, den Golfstaaten und Pakistan. Unter ihnen befinden sich auch etwa 2.000 Ärzte. Der Rest stellt sich aus Geschäftsleuten, Arbeitnehmern oder Asylsuchenden zusammen. Inzwischen gibt es auch eine ganze Reihe Iren und andere Europäer welche zum Islam konvertiert haben.

Insgesamt vertreten die Moslems Irlands etwa 40 Länder. Sie leben verstreut auf der gesamten Insel und beten in ca. 60 Moscheen. Die meisten dieser Moscheen findet man in Privathäusern. Die internationale Realität reflektierend, besteht die Mehrheit der Moslems aus Sunniten.

Das Ahlul Bayt Islamic Centre im Dubliner Milltown ist das Hauptzentrum der Schia Moslems in Irland. Die Gemeinde besteht in erster Linie aus Schia Moslems aus dem Iran, Irak, Libanon, Pakistan und einigen Golfstaaten. Etwa 15% aller Moslems weltweit sind Schia.

2014 eröffnete eine weitere Minderheit der Moslems, nämlich die Ahmadiyah Gemeinde eine Marien Moschee in Galway.

Das Islamic Cultural Centre of Ireland im Dubliner Clonskeagh stellt mit 5.000 m² eine der größten Moscheen Europas. Mehr als 850 Kinder besuchen dort die Koranschule und 250 Kinder gehen in die dort angesiedelte moslemische Grundschule.

Junge Moslems berichten

Patsy McGarry von der Irish Times Zeitung hat sich mit fünf jungen Moslems unterhalten. Die jungen Menschen sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. Drei Frauen, zwei Männer. Alle haben eines gemeinsam, sie sind entweder als Babies nach Irland gekommen, oder wurden sogar hier geboren.

Die Mädchen erzählen wie sie als Grundschüler überhaupt nicht aufgefallen sind. Es gab keinerlei Probleme in ihrem schulischen Umfeld. Erst mit der weiterführenden Schule sollte sich das ändern. Nicht so sehr in der Schule selbst, aber im Alltag außerhalb der Schule. Es war die Zeit, wo sie begannen einen Hidschāb zu tragen. Der eine oder andere Lehrer zeigte sich anfänglich sichtlich nervös, doch die Mitschüler gingen mit dem neuen Kleidungsstück recht locker um. Die moslemischen Frauen spürten sogar, dass ihre Mitschüler freundlicher zu ihnen waren als zuvor. Vielleicht bildeten sie sich das auch nur ein, aber alle drei machten ähnliche Beobachtungen. Sie redeten mit ihren Mitschülern über die Kleiderordnung ihrer Religion und sie erzählten ihnen auch das sie schon nervös waren bevor sie sich mit dem Kopftuch in die Schule trauten. Vielleicht, so die jungen Frauen, hat diese Erklärung unter ihren Mitschülern eine Art Mitgefühl ausgelöst.

Außerhalb der Schule sah das etwas anders aus. Nicht das rassistische Übergriffe oder Beschimpfungen an der Tagesordnung sind, im Gegenteil. Jedoch kommt es vor. Ganz besonders betrunkene Männer fangen hin und wieder an auf die moslemischen Frauen los zu schimpfen. Auch versuchen sie hin und wieder den Schleier mit Gewalt zu entfernen. Gott sei Dank sind dies jedoch Einzelfälle.

Die beiden jungen männlichen Moslems können das aus eigener Erfahrung nicht nachempfinden. Sie haben solche Beschimpfungen oder Übergriffe nicht erlebt. Das mag daran liegen das sie als Moslems so nicht zu erkennen sind.

Weniger Rassismus als in Frankreich oder Großbritannien

Die Fünf sind sich einig. Wenn sie in Frankreich oder Großbritannien unterwegs sind, sind sie öfters Opfer von Beschimpfungen. Ganz besonders in Frankreich mag es daran liegen, dass der Rassismus von der Regierung ausgeht. Wenn eine Regierung einer Religionsgemeinschaft ihre Kleiderordnung verbietet, dürfen sie sich nicht wundern wenn das Volk dies als Freibrief zum Rassismus sieht, meinen sie geschlossen. Auch in Großbritannien neigen die Bürger eher dazu sie zu beschimpfen oder ihren Schleier zu entreißen.

Iren schützen sie

Alle Fünf haben schon erlebt wie es zu rassistische Übergriffe auf andere Moslems gekommen ist. Auch haben sie kürzlich miterlebt wie eine neue irische Bewegung “Identity Ireland” eine Moschee belagerte und die Glaubensgemeinde übelst beschimpfte. Doch haben sie auch erlebt, wie im Gegenzug die irische Bevölkerung die moslemischen Mitbürger beschützte. In einem Fall, ist eine Horde irischer Nazis ein paar Moslems in eine Straßenbahn gefolgt. Sie kamen nicht weit, denn ein paar kräftige Iren haben sie kurzerhand aus der Straßenbahn vertrieben und verprügelt. Seitdem hat man von “Identity Ireland” nichts mehr gehört. Auch die Belagerung der Moschee wurde von irischen Mitbürgern beendet. Sie haben kurzerhand die schimpfende Horde vertrieben.

Interne Konflikte

Das Problem das die irischen Moslems in erster Linie haben ist nicht mit nicht-Moslems sondern mit Moslems selbst. Es gibt verschiedene Gruppierungen der Moslems in Irland und die können nicht alle miteinander. Das ist viel schlimmer als jegliche rassistische Übergriffe oder Beschimpfungen aus der irischen Bevölkerung.

Wandel der moslemischen Gesellschaft Irlands

Bei den Moslems Irlands hat es sich bisher in erster Linie um die erste Generation von Einwanderern gehandelt. Die zweite Generation geht jetzt ihren Weg. Wenn es bisher so war, dass die Moslems damit beschäftigt waren für ihre Kinder und sich selbst in die Gesellschaft einen Platz zu finden ohne zu sehr aufzufallen, so sehen die jungen irischen Moslems jetzt eine ganz andere Aufgabe vor sich. Es gilt jetzt sich zu integrieren und zur Gesellschaft beizutragen. Es wird jetzt Zeit sich geschäftlich, sozial und auch politisch zu engagieren. Viele junge Moslems wollen Lehrer oder Sozialarbeiter werden und somit etwas der irischen Gesellschaft zurück geben. Hier schaut man nach Großbritannien, wo viele Moslems dieses Ziel bereits erreicht haben.