Irland ist nicht das Land, an welches Flüchtlinge in erster Linie denken. Über viele Jahrzehnte war Irland das Armenhaus Europas. Bis Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre war Irland ärmer als Portugal. In Irland galt es in erster Linie sich um die eigene Armut zu kümmern, bevor man andere Hilfsbedürftige empfangen konnte.

Das heißt aber nicht das keine Flüchtlinge ihren Weg nach Irland gefunden haben.

Deutsche Flüchtlinge

Monument der Deutschen, St. Stephens Green, Dublin

In den 30er und 40er Jahren nahm Irland etwa 400 Flüchtlinge aus Deutschland auf. Zunächst Juden oder auch politische Flüchtlinge. Ganz besonders Geschäftsleute oder Gelehrte, welche der irischen Gesellschaft nützlich sein konnten. Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurden auch viele deutsche Kriegskinder aus den zerbombten Städten aufgenommen. Allerdings wollte die römisch-katholische Kirche Irlands zunächst keine evangelischen Kinder aufnehmen. Erst nach langen, zähen Verhandlungen durfte jedes vierte Kind evangelisch sein. Zur Jahrtausendwende hat das deutsche Volk dem irischen Volk ein Monument geschenkt, welches an diese Kriegskinder, die Schutz in Irland fanden, erinnert.

Die deutschen Flüchtlinge wurden ganz besonders von der oberen Schicht Irlands mit Handkuss empfangen. Sie trugen zur Entwicklung der Gesellschaft bei und genossen einen guten Ruf.

 

Vietnamesische Flüchtlinge

1978/79 waren die Jahre des eines vietnamesischen Exodus. Hunderttausende Flüchtlinge begaben sich in Boote und flohen das kommunistische Vietnam. Die meisten suchten Schutz in Südostasien, doch wurden zunächst von den Ländern dieser Region abgelehnt. Erst nach Zusicherung westlicher Länder, dass sie die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge übernehmen würden und dafür sorgen würden das die Flüchtlinge auf entwickelte Länder verteilt würden, wurden die Bootsflüchtlinge aufgenommen. Die überwiegende Mehrheit wurde nach Amerika, Australien, Kanada, Großbritannien und Deutschland geschickt. Aber auch das arme Irland öffnete die Pforten. 200 vietnamesische Flüchtlinge wurden aufgenommen.

Auch zu dieser Zeit war die Meinung der Iren geteilt. Die einen pochten darauf das man sich zunächst einmal um die eigenen Armen kümmern solle, bevor man Fremden hilft. Doch unter Druck der Kirche wurden die Flüchtlinge letztendlich aufgenommen.

Syrische Flüchtlinge

Wenn es um die Flüchtlingskrise Syriens geht, zeigt sich Irland nicht unbedingt von seiner besten Seite.

Irland hat sich verpflichtet insgesamt 4.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Genaue Daten von staatlicher Seite zu bekommen, kann in Irland schwierig sein. Bis einschließlich Juli 2016 hat Irland tatsächlich nur 38 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Hier liegt es unter anderem aber auch an den Flüchtlingen selber. Flüchtlinge, soweit sie Irland überhaupt kennen, wollen oftmals gar nicht auf die grüne Insel. Es passiert sogar, dass sie aus den Flüchtlingslagern flüchten, nur um nicht nach Irland zu müssen. Vor Irland fliehende Flüchtlinge hat es übrigens in den späten 70er Jahren schon einmal gegeben. Damals waren es die Vietnamesen.

82 Kinder im März

Im März sollen 82 syrische Kinder nach Irland gebracht werden. Sie lebten bis vor kurzem im Dschungel von Calais. Aber auch hier streitet man sich schon immer. Man hat Angst vor den Problemen die diese Kinder mit sich bringen. “Diese Kinder müssen traumatisiert sein”, so heißt es. Wahrscheinlich haben sie schreckliches erlebt. In Irland angekommen muss man sich auch entsprechend um sie kümmern.
Schon redet man davon das man noch nicht einmal genügend Psychiater und Psychologen hat um sich um die eigenen Problemkinder zu kümmern. Wie soll man sich denn dann um diese belasteten Kinder kümmern. Es sei unfair diese Kinder in ein Land zu holen, welches sich nicht um ihre Bedürfnisse kümmern könne.
Mal schauen ob das was wird mit den Kindern im März.

Aber auch sonst hat man selbst genügend Probleme

In Irland selbst ist die Meinung ist ohnehin grundsätzlich geteilt. Auf der einen Seite warten die Menschen auf die syrischen Scharen und wollen sich von ihrer besten Seite zeigen. Auf der anderen Seite, gibt es auch heute noch grundsätzlich die Einstellung, dass man selber genügend Probleme hat und sich nicht auch noch um die Probleme anderer kümmern sollte. Immer wieder müssen die Iren sich selber daran erinnern, dass sie die ersten Bootsflüchtlinge waren, die Mitte des 19. Jahrhunderts den Hunger der Insel entflohen sind. Hätten die Amerikaner und Kanadier sie seinerzeit nicht aufgenommen, dann stellt man sich heute die große Frage wie Irland wohl aussehen würde.

Fremde Kultur

Vielen Menschen fällt es schwer zu verstehen das man Menschen tatsächlich “hilft” indem man versucht sie in einer vollkommen fremden Kultur aufzunehmen. “Diese Menschen werden sich niemals wohlfühlen können, es fehlt ihnen an allem was sie kennen”, wird immer wieder gesagt. Man solle lieber versuchen diesen Menschen zu helfen in Regionen, welche ihrer eigenen Kultur näher sind, einen Platz zu finden.