Ob Nationalgericht, oder einfach “nur” Irisch. Die Iren haben eine gute Küche und haben allen Grund darauf stolz zu sein.

Was ist Irland’s Nationalgericht? Das ist eine häufig gestellte Frage. Auf diese Frage gibt es eigentlich gar keine Antwort, außer man möchte Klischees bestätigen. Oft liest man über Irish Stew oder Bacon and Cabbage als die Nationalgerichte Irlands schlechthin. Zunächst müssten wir uns einmal fragen was eigentlich ein Nationalgericht ist. Wenn es so etwas wie ein Nationalgericht gibt, dann muss es auch so etwas wie eine Nationalküche geben. Wer diese Begriffe erfunden hat ist ein Rätsel. Tatsache ist, dass es so etwas wie ein Nationalgericht nicht gibt. Es gibt Regionalgerichte, aber keine Nationalgerichte.

Sozial nicht National

Der Begriff Nationalgericht lässt daraus schließen das eine Nation überwiegend diese Speise als Grundnahrung zu sich nimmt. Auch das hat es nie gegeben. Essgewohnheiten der verschiedenen internationalen Regionen waren immer von sozialen Schichten geprägt. Auch heute noch, essen die besser gestellten Bevölkerungsschichten anders als die sozial schlechter gestellten Schichten.

Schauen wir uns zunächst einmal andere Länder an.

Italien

Für Italien z. B. sind sich die Suchenden von Nationalgerichten einig das Pizza oder Spagetti die Nationalgerichte Italiens sind. Falsch. Pizza z. B. war in den größten Teilen Italiens bis ins frühe 20. Jahrhundert überhaupt nicht bekannt. Es war eine regionale Speise der unteren sozialen Schicht Neapels. Es waren neapolitanische Einwanderer in die USA, welche ihre Pizzarezepte aus ihrer Heimat mitbrachten. Für Fremde in den USA stand fortan fest das es sich bei diesem belegten Teigfladen um das italienische Nationalgericht handelt.

Deutschland

Für viele englischsprachige Regionen steht fest, dass das deutsche Nationalgericht Eisbein mit Sauerkraut ist. Fest steht das auch dieses Gericht eher süddeutscher Herkunft ist. Wer darauf gekommen ist Sauerkraut als deutsches Nationalgericht auszudeuten ist auch ein Rätsel.

Abwertende Wirkung

Fakt ist, dass Nationalgerichte oft dazu dienen eine eigene kulinarische Linie gegenüber anderer hervorzuheben. So ist es oft so, dass die Nationalgerichte anderer eine abwertenden Beigeschmack haben. So z. B. wurden in den 60er und 70er Jahren Italiener im deutschsprachigen Raum nicht selten als Spagettifresser bezeichnet. Die Deutsche wiederum wurden im englischsprachigen Raum oftmals als Krauts bezeichnet und die Engländer bezeichnen auch heute noch die Franzosen oftmals als Frogs (Frösche).

Zurück zu Irland

Die irische Küche ist heute äußerst vielfältig. Die Iren sind ein Volk von Aus- und Rückwanderern. Das ständige hin und her in der Weltgeschichte hat dazu geführt das es heute kulinarische Einflüsse aus der ganzen Welt gibt. Auch heute noch wird Bacon and Cabbage (Gekochter Schinken und Kohl), bzw. Irish Stew (Irischer Lammeintopf) als Nationalgericht hingestellt. Jeder der sich einmal die Zeit nimmt und sich die Speisekarten irischer Lokale anschaut wird feststellen das diese beiden Gericht gar nicht so oft angeboten werden. Dort wo viele Touristen bedient werden, dort möchte man natürlich auch deren Erwartungen gerecht werden und dort bekommt man dann auch diese Gerichte.