Ein Abenteuer ohne gleichen

Dieses Jahr habe ich das erste mal über Silvester gearbeitet. Am 30. Dezember sollte meine Gruppe um 13:30 Uhr am Dubliner Flughafen landen.

Flieger irrt über Irland herum

Als ich um 12:45 Uhr mein Auto parkte, sollte meine Gruppe, laut meinem App elf Minuten verfrüht ankommen. Als ich in Terminal 2 ankam, stand auf dem Bildschirm auf einmal “diverted” (umgeleitet). Es ist nicht zu erkennen wohin oder warum der Flieger umgeleitet wurde.

Gäste auf dem Weg nach Shannon?

Ich machte mich auf zur Flughafeninformation und bat um Auskunft. Die Dame machte einen Anruf und meinte “der Flieger sei wegen der momentanen Wetterlage nach Shannon umgeleitet worden. Die Gäste würden mit Bussen nach Dublin gebracht werden. Falls ich nähere Informationen bräuchte, solle ich zum Aer Lingus Informationsschalter gehen.
Selbstverständlich brauchte ich nähere Informationen. Zum Beispiel wäre es interessant zu wissen wann ich meine Gäste hier in Dublin in Empfang nehmen könne. Wir hatten einen Besuch der Teeling Whiskeybrennerei im Programm und das Abendessen hatte ich im Hotel für 18:30 Uhr bestellt. All dies muss ich unter Umständen umbestellen. Ich machte mich auf zum Aer Lingus Schalter.

Gäste auf dem Weg nach Cork?

Die Schlange am Aer Lingus Informationsschalter ging bis nach Bagdad. Mein Flieger war nicht der einzige der umgeleitet wurde. Viele Menschen bewegten sich durch den Flughafen und fragten sich wo der Flieger ist auf den sie warteten. Kommunikation schien nicht die Stärke von Aer Lingus zu sein.

Als ich endlich dran war und ich den gestressten Mitarbeiter fragte wo der Flug EI661 ist, hieß es “auf dem Weg nach Cork“. Mir wurde erklärt, dass sich der starke Wind in Dublin legen würde, und dass die Gäste von Cork zurück nach Dublin geflogen würden. Wann das geschehen würde konnte mir keiner sagen. Man wüsste nur, dass ich meine Gäste nicht vor 15 Uhr erwarten solle.

Der Tag ist gelaufen

In diesem Moment stand für mich fest, dass dieser Tag gelaufen war. Jetzt ging es nur noch darum baldmöglichst gegen 15 Uhr die Gruppe in Empfang zu nehmen und zu hoffen das wir nicht zu zeitnah zum Abendessen im Hotel sind. Ich rief die Whiskeybrennerei an und schob den geplanten Besuch auf den folgenden Nachmittag. Alles ist gut.

Fahrer spielt Reiseleiter

Mein Fahrer sollte nicht der mir vorher angekündigte Fahrer sein. Der zuvor mir gemeldete Fahrer ist erfahren und ein super Kerl. Der “neue” Fahrer, welcher mir telefonisch auf dem Weg zum Flughafen genannt wurde wusste nicht genau was sein Aufgabengebiet war.

Mein Handy klingelte. Mein Fahrer war dran und erklärte mir das er mit der Flughafeninformation geredet hat und das der Flug nach Shannon umgeleitet worden ist und das wir die Gäste nicht vor 15 Uhr erwarten sollen.
Ich stand da und dachte “was ist das jetzt”? Warum macht der jetzt meine Arbeit? Warum habe ich eigentlich mit den verschiedenen Stellen kommuniziert um mir einen Überblick zu verschaffen?

Auf einmal steht der Fahrer neben mir und informiert mich, dass er die Whiskeybrennerei angerufen hat und sie informiert hat das wir heute etwas später kommen und das er sie informieren wird wann genau das sein wird. In diesem Moment ist mir der Kragen geplatzt. Ich erklärte ihm das es nicht seine Aufgabe ist Termine zu verschieben oder diese und jene Informationen einzuholen, außer wir haben das so besprochen. Zum einen machen wir alles doppelt und zum anderen gibt es bei Teelings einfach nur ein Durcheinander und die wissen nicht mehr ob wir heute oder morgen kommen. Ich musste die Brennerei noch einmal anrufen, um klar zu stellen, dass wir erst am morgigen Tag unseren Besuch wahr machen.
Er war beleidigt und meinte dass er nur helfen wolle. “Tut mir leid, aber das tust Du nicht”, erklärte ich ihm.

Dann waren fast alle da

Endlich war es soweit. Die Gäste trudelten ein. Einer nach dem anderen kam zu mir und meldete sich zur Stelle. Erstaunlich gut drauf waren die Gäste. Nun, ich schätze mal, sie bekamen einen kostenlosen Rundflug über Irland. Die Gruppe bestand aus 20 Personen und nachdem ich 18 Gäste auf meiner Liste abgehakt hatte warteten wir. Wir warteten…und wir warteten. Irgendwann musste ich aufgeben. Ich bat den Fahrer die vorhandenen Gäste zum Bus zu bringen, während ich versuchen würde herauszufinden ob die fehlenden Gäste überhaupt im Flieger waren.

Datenschutz im Weg

Ich ging zur Flughafeninformation und bat darum herausfinden ob meine Gäste im Flieger waren. Die lieben Leute dort konnten mir jedoch nicht helfen und meinten ich solle Aer Lingus anrufen. Ich rief Aer Lingus an und bat um Auskunft ob die beiden fehlenden Gäste im Flieger waren. Doch nachdem Aer Lingus endlich meinen Anruf entgegen nahmen, erklärten sie mir das sie mir diese Auskunft aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erteilen dürfen. Das ist neu, denn bisher habe ich eine solche Auskunft immer und ohne Probleme bekommen. Ich entschied mich ohne diese beiden Gäste mit der Gruppe zum Hotel zu fahren.

Fahrer und Gäste verschwunden

Der Fahrer und die Gäste waren jetzt bestimmt schon zehn Minuten weg. Das Gepäck war mit Sicherheit verladen und die Gäste saßen wahrscheinlich frustriert im Bus und warteten auf mich. Ich spurtete zum nahe gelegenen Busparkplatz und fand den Bus sofort. Allerdings war das Fahrzeug verschlossen. Von den Gästen und vom Fahrer weit und breit kein Zeichen.

Hat der Fahrer sich verlaufen? Hat er meine Gäste entführt? Ich versuchte ihn telefonisch zu erreichen, aber ohne Erfolg. Etwa zehn Minuten später meldete er sich bei mir telefonisch und erklärte mir das er auf dem Weg zwei Gäste verloren hatte und umkehrte um sie zu finden. Es stellte sich ferner heraus, dass er anstatt den direkten Weg von Terminal 2 zu gehen, er sich entschied den doch sehr langen Weg von Terminal 2 durch Terminal 1 zu gehen.

Kein Mikrofon

Endlich saßen die Gäste im Bus. 18 (von 20) Reisende saßen in einem 49-Sitzer. Mit anderen Worten, die Gäste waren weit verteilt. Als aller erstes wollte ich die Gäste jetzt natürlich begrüßen und vielleicht auch erklären was tatsächlich passiert war. Warum sie umgeleitet wurden und was mit den beiden fehlenden Personen ist. Doch als ich mich, mit dem Mikrofon in der Hand, der Gruppe zuwendete, stellte ich fest dass das Mikro nicht funktionierte, da die Zündung nicht geschaltet war. Ich brauchte den Fahrer. Ich schaute mich um und stellte fest das dieser draußen stand und sich herzhaft mit irgendwelchen Leuten unterhielt. Meine Gesten entgegnete er mit einem Lächeln.

Verlorene Gäste tauchten auf

Gegen 17:30 Uhr trafen wir im Hotel ein. Das Abendessen war für 18:30 Uhr bestellt. Alles war gut. Wie bei mir üblich, verabredete ich mich mit den Gästen für kurz vor dem Abendessen in der Hotellobby, so das ich sie zu Tisch führen kann und sie mir berichten können falls es irgendwas zu richten gibt.

Einer meiner Gäste kam zu mir und meinte das die beiden verlorenen Gäste erschienen sind. Sie hätten ihr Gepäck verloren und hatten es versäumt mich zu informieren. Sie seien in guter Stimmung hieß es.

Tatsächlich. Inmitten meiner Gäste erspähte ich ein älteres Pärchen, welches ich zuvor noch nicht begrüßt hatte. Sie erklärten mir was passiert war und waren ganz und gar der Meinung das es richtig war das ich den Flughafen ohne sie verlassen hatte.

Programmpunkt geschlossen – Peinlich

Für den nächsten Tag stand eine Stadtrundfahrt im Programm. Zu besuchen war das Trinity College und die St. Patricks Kathedrale. Am Nachmittag dann noch die Teelings Whiskeybrennerei, welche ich vom Vortag verschoben hatte.
Mein Plan war das wir nach dem Besuch des Trinity Colleges Mittag machen. Wir gingen zum Eingang der Universität und ich stellte fest das dieser verriegelt und verrammelt war. Mit mir waren 20 Gäste. In meiner Hand hielt ich ein Voucher, ausgestellt von dem Reiseveranstalter. Mit Sicherheit würde dieses Tor gleich geöffnet werden, dachte ich mir. Ich stellte mich also hin und redete etwa 15 Minuten über diese altehrwürdige Hochschule und versprach den Gästen das es ein sehr beeindruckendes Erlebnis sein wird, soweit wir Zutritt bekommen.

Nachdem ich meinen Vortrag beendet hatte entschuldigte ich mich kurz und rief das College an um herauszufinden wann genau Zutritt verschaffen wird. Ich lauschte einer Ansage, welche mich informierte das das College vom 23. Dezember bis einschließlich 04. Januar geschlossen sei. Wie peinlich.

Die Gäste nahmen es mit Fassung. Komischerweise hatte ich am Vorabend noch die Öffnungszeiten der St. Patricks Kathedrale überprüft um auf Nummer sicher zu gehen, dass es am Silvester keine außerplanmäßigen Gottesdienste gibt. Das Trinity College zu prüfen kam mir überhaupt nicht in den Sinn.

Zu viele Personen bei Schau und Essen

Für den Silvesterabend war eine Schau mit mehrgängigen Essen im Arlington Hotel geplant. Allerdings hatten nicht alle Gäste das Paket gebucht. Ich hatte keine Liste von den Teilnehmern. Allerdings wusste ich von einem Paar, welche mich informiert hatten das sie sich selbständig machen und laut meinen Unterlagen gab es eine Einzelreisende welche keine Abendessen gebucht hatte. Laut Voucher gab es 17 Teilnehmer (inkl. Reiseleiter). Alles gut, dachte ich.

Wer ist zu viel?

Unser Hotel war etwas außerhalb. Ungefähr 25 Minuten Fahrt in die Stadtmitte von Dublin. Alle Gäste waren eingeladen mit in die Stadt zu fahren, auch die die nicht das Abendprogramm gebucht hatten. Also saßen erwartungsgemäß 20 Gäste im Bus.

Als die Gäste ihre Plätze einnahmen stellte ich auf einmal fest, dass nicht genügend Plätze eingedeckt waren. Nach Absprache mit dem Personal, merkten wir das es 18 Personen waren und nicht 17. Ich erklärte der Gruppe das hier irgendjemand sitzt, der oder die nicht bezahlt hat. Ich sah die eine Dame, welche keinerlei Abendessen gebucht hatte und ging davon aus das sie diese Person war, doch sie bestand darauf das sie für das Programm bezahlt hatte und das sie mir morgen auch den Beleg geben könnte.

Was für eine Situation! Das einzige das ich tun konnte war, für dieses eine extra Essen zu bezahlen und am Folgetag mir den Beleg von diese Teilnehmerin zeigen zu lassen.
Sie hatte bezahlt. Zwischenzeitlich hat sich herausgestellt das es ein Pärchen war welches nicht bezahlt hatte. Da auf dem Voucher stand das es 17 Personen inkl. Reiseleiter seien, sollten es tatsächlich 16 Gäste und ich sein.

Wandern ist des Müllers Lust – aber nicht mit neuen Schuhen

Für den 01. Januar 2016 stand ein lockeres Program an. Wir verließen das Louis Fitzgerald Hotel erst um 10:30 Uhr. Im Programm stand ein Klippenspaziergang in Howth. Das einzige was wir brauchten war natürlich ein geeignetes Wetter. Es musste kein strahlender Sonnenschein sein, aber es durfte nicht stürmen und somit das Unterfangen gefährlich werden lassen. Wie auch immer, ich wies am Vorabend darauf hin, dass falls die Wanderung stattfinden sollte, wir festes Schuhwerk, wetterfeste Kleidung und etwas zu Trinken mitnehmen sollten. Als wir in Howth ankamen stand fest, dass das Wetter den Spaziergang, bzw. die leichte 45 minütige Wanderung, zulassen würden. 15 von 20 Gästen folgten mir.

Windig aber gut

Es sollte äußerst windig sein, aber das war kein Abbruch. Im Gegenteil, viele der Gäste meinten das es das gewisse etwas ist, bei diesem Neujahrs Ereignis. Der Pfad war auch etwas nass und matschig, aber all dies hatte ich am Vortag angesprochen und somit sollte dies kein Problem sein.

Zumutung

Als wir wieder im Bus saßen meinte eine Dame, dass dieser Spaziergang eine Zumutung gewesen sei. Ich war total entgeistert und hakte nach. Sie hätte total geschwollene Füße und Blasen meinte sie. Außerdem seien die Schuhe, welche sie am Vortag in Dublin gekauft hatte, ruiniert. Ich hatte keine Worte mehr. Die Dame war etwa in meinem Alter und hätte mit Sicherheit wissen sollen, dass man mit neuen Lederstiefeln nicht wandern geht.

Abreise mit Hindernissen

Der 02. Januar verging ohne weitere Ereignisse. Doch der 03. Januar, der Tag der Heimreise, sollte sich noch einmal als speziell erweisen. Die Gruppe hatte einen frühen Flug um 7:10 Uhr. Das heißt, wir mussten um 5:10 Uhr am Flughafen sein. Mein Handy weckte mich um 3:30 Uhr. Um 4:20 Uhr war ich in der Hotellobby um ein schnelles Frühstück zu mir zu nehmen. Bei solchen frühen Transfers bin ich einfach nur froh wenn ich in meinem Auto sitze und nach Hause fahren kann. Am Flughafen ging zunächst einmal alles reibungslos. Bis…

Sibylle oder Sybille?

…bis mich ein Gast rief und meinte das ihr der Check-in verweigert wurde, da ihr Name auf den Buchungsdokumenten nicht mit dem Namen ihres Passes übereinstimmt. Gefolgt wurde dieser Gast von einem zweiten, mit der gleichen Argumentation.

Wir wurden vom Check-in Schalter zum Aer Lingus Schalter geschickt. Nachdem wir endlich dran waren schilderte ich der Mitarbeiterin unser Leid. Sie schaute sich die Dokumente an und meinte “der Vorname im Pass ist Sibylle, aber der Name auf der Buchung ist Sybille. Das ist nicht identisch und somit können sie den Fluggast nicht befördern. Eine Namensänderung kostet 75 €. Das gleiche gilt für den anderen Fluggast, welcher laut Pass Hartmut heißt aber laut Buchungsunterlagen Hartmuth heißt.” Ich stand da. Ich war müde und wollte eigentlich nur noch nach Hause.

Schalter blockiert

Ich erklärte der Dame freundlich, aber unmissverständlich das das quatsch ist. Aer Lingus hat diese Gäste mit diesen Namen eingeflogen und werden diese Gäste mit genau diesen Namen wieder ausfliegen. Wir werden keine 75 € pro Person zahlen und den Schalter hier solange belegen, bis sie die Gäste einchecken. Nachdem sich das Personal etwa fünf Minuten beraten hat und die Schlange hinter uns unruhig wurde, willigten sie ein und schickten uns zurück zum Check-in. Die Mitarbeiter am Check-in sollen sie anrufen, hieß es.

Wir drängelten uns vor, oder besser gesagt, wir drängelten uns zurück wo wir eigentlich hätten sein müssen und checkten, nach einigem Wortwechsel, die Gäste ein.

Dokumente gut überprüfen

Aer Lingus ist nicht die einzige Fluggesellschaft die mit Abweichungen von Namens-Buchstabierung Probleme bereitet. Lufthansa hat das vergangenes Jahr auch schon getan. Achten Sie bitte unbedingt darauf, dass die namentlichen Angaben auf den Buchungsunterlagen identisch mit den Pässen sind.