Es ist das sechste mal im Winter 2015, dass Irland von einem Sturm gepeitscht wird. Nachdem Sturm Eva und Desmond die Insel vor wenigen Wochen heimsuchten, ist es jetzt Sturm Frank der den Iren zeigt wo es lang geht. Die gesamte Westküste wird von bis zu 120 km/h Wind und 45 bis 75 mm Niederschlag geprügelt. . Die Sturmwarnung gilt für 24 Stunden. Also bis morgen Nachmittag.

Das hatte ich am 30. Dezember 2015 geschrieben.

Land unter

Land unter

Seitdem hat sich einiges getan. Heute schreiben wir den 04. Januar 2016. Hunderte von Menschen sind obdachlos. Tausende von Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren und endlos viele Tiere finden sich plötzlich auf Inseln wieder, welche es vor kurzem gar nicht gab. Irland gleicht einem Katastrophengebiet.

Die Flüsse haben ihre Ufer gesprengt, dass Meer nagt an der Küste. Der irische Premierminister sagt zu den leidenden Iren “zieht um, baut auf höheren Lagen”.

Kein Versicherungsschutz

Die Haushalte die einmal von einem solchen Sturm heimgesucht werden, werden nie wieder eine Sturmversicherung bekommen. Einmal ausgezahlt heißt, nie mehr einen Versicherungsschutz zu genießen. Mit anderen Worten – viele der jetzt betroffenen Gebiete sind bereits in den vergangenen Jahren heimgesucht worden und sind jetzt nicht versichert. 80% der Iren leben auch jetzt noch im Eigenheim – sie verlieren alles was sie haben.

Laut dem irischen Wetteramt wird dieser Sturm nicht der letzte sein. “Diese Stürme werden zunehmen.” Wir sollen uns daran gewöhnen, so heißt es.

Verseuchtes Trinkwasser

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Verseuchtes Trinkwasser

In manchen Regionen ist das Trinkwasser verseucht, da die Überschwemmungen sich bis in die Kläranlagen begeben haben. Pestizide der Landwirtschaft wurden damit in das Trinkwasser gespült. Manche Gemeinden werden aufgefordert ihr Trinkwasser zu kochen.

Auch wenn die Bewohner der Häuser alle Türen und Fenster verriegelt und verrammelt haben – das Wasser kommt doch. Es kommt durch die Abläufe der Badewannen, Waschbecken, Spülen und ganz besonders durch die Toiletten. Fäkalien schwimmen durch die Wohnzimmer – Schäden, welche oftmals nie wieder behoben werden können.

Hausgemachtes Problem

Grund dieser gewaltigen Überflutungen, welche seit Jahren zunehmen, sollen angeblich die globale Erwärmung sein. Mit Sicherheit spielt dies hier eine Rolle. Allerdings machen es sich die irischen Politiker zu leicht. Sie versuchen damit, von den Fehlplanungen der vergangenen Jahrzehnte abzulenken. Tatsächlich ist der Kampf gegen Überflutungen ein jahrzehntealtes Problem. Bereits in den 50er Jahren kämpften die Iren gegen die Wassermassen.

Athlone 1959

Athlone 1959

Dazu kommt, dass Irland über die vergangenen 20 Jahre einen 30 bis 35%igen Bevölkerungszuwachs erlebte. Somit musste Wohnraum geschaffen werden. Es wurde also gebaut. Oft hat man auf Flächen gebaut, welche eigentlich traditionell als Schwammgebiete bekannt waren. Wo sich überflüssiges Wasser gesammelt hat um dann langsam abzufließen.
Gleichzeitig hat man über die vergangenen Jahrzehnte (und man tut es auch heute noch), riesige Moorgebiete trockengelegt um den Torf zur Energieerzeugung abzubauen. Auch hier, werden riesige natürliche “Schwämme” abgebaut. Desweiteren werden mit mehr und mehr Wohnsiedlungen, natürliche Abwasserkanäle durch Beton und ähnlichem zugebaut.

Frank war nicht der letzte Sturm

Der nächste Sturm kommt bestimmt. Mal schauen was wir da noch erleben und von den Politikern zu hören bekommen. Es ist wahrscheinlich ganz normal, dass die Bewohner der verschiedenen Regionen fordern, dass Wasserläufe mit “Flutwänden” versehen werden. Allerdings ist dies nicht die Lösung, denn diese “Flutwände” werden das Problem intensiviert Flussabwärts verlagern und wenn alle Flüsse und Küstengebiete Irlands “Flutwände” haben, dann brauchen wir eigentlich nur noch ein Dach und fertig ist die erste Insel der Welt, welche Wände und ein Dach hat.

Sind Flutwände die Antwort?

Sind Flutwände die Antwort?

Ein Volk das sich kümmert

Eines steht fest, die Iren sind ein Volk die sich um einander kümmern. Das Problem ist, der Staat weiß das. Der Staat hält sich so ziemlich bedeckt und hin und wieder streichelt er dem Bürger übers Haupt und erklärt “ihr könnt Stolz darauf sein, wie ihr mit solchen Situationen umgeht.” Was macht der Bürger? Er ist stolz – und zwar mit Recht.

Videoclips

Hier sind zwei Videoclips von Youtube, welche das Problem ganz gut zum Ausdruck bringen.