Den Titel zu diesem Artikel hatte ich bereits vor vier Monaten geschrieben. Wenn ich jetzt hier sitze und schreibe, frage ich mich “war ich etwa sprachlos?” Vier Monate später habe ich immer noch die Eintrittskarte zu diesem Museum in meiner Brusttasche. Tag für Tag habe ich diese Karte vorsichtig von einem Hemd zum nächsten geschoben. Immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, über dieses Erlebnis zu schreiben.

Ein Traum wird wahr

Über viele Jahre bin ich von Dublin nach Limerick über die M7 gefahren. Am Straßenrand habe ich immer wieder ein Schild für dieses Donaghmore Workhouse Museum gesehen. Über Jahre habe ich mir versprochen das ich dort unbedingt einmal einkehren muss. Mit Freunden habe ich darüber gesprochen und dann….., dann geschah genau das. Ich kehrte ein.

Irisches Workhouse

An dieser Stelle muss ich erklären das ich ein Reiseleiter in Irland bin. Die irische Geschichte ist für mich ein Thema, welches ich sehr ernst nehme. Ich lerne Tag für Tag hinzu und bin mir sehr darüber im klaren, dass ganz besonders die irische Geschichte immer wieder das Opfer von Romantikern geworden ist.

Das irische Workhouse würde ich als eine Art Armenhaus beschreiben, wo man für den eigenen Unterhalt arbeiten musste.
Es war eine Stätte, wo wenn Sie dort gelandet sind, war für Sie alles vorbei. Für Familien galt es, dass die Kinder von den Eltern getrennt wurden, die Mädchen von den Buben und die Männer von den Frauen. Aus einer solchen Einrichtung sind Sie in der Regel nur in einer Kiste raus gekommen. Das irische Workhouse war Endstation für ein Leben wie man es kannte.

Ein irisches Workhouse ist ein Ort des Grauens. Ein Ort, den man aus irischer Sicht für die Nachwelt als Museum erhalten sollte.

Geräteschuppen

Als ich dort ankam, erklärte ich dem Herrn an der Kasse das ich Reiseleiter sei und erwartete das er mir eine kostenlose Führung geben würde. Weit gefehlt. Er knüpfte mir den vollen Eintrittspreis ab und begann dann mit der “Führung”.

Geräteschuppen statt Workhouse-Museum

Geräteschuppen statt Workhouse-Museum

Der “Führer” erklärte mir kurz etwas über die Ausrichtung des Workhouses. Er erklärte mir auch das nicht wirklich viel über die Nutzungsflächen der Workhouses von Irland bekannt sei.
Bereits hier wurde ich stutzig. Alle Workhouses in Irland wurden nach genau dem gleichen Schema gebaut. Die verschiedenen Flügel hatten identische Zwecke zu erfüllen. Das Workhouse, welches ich im Kopfe dieses Beitrages veröffentlicht habe, ist ein gutes Beispiel dafür.

Als wir die Treppe hinauf gingen, wurde mir bewusst was das Problem war. Die Betreiber dieses ländlichen Museums haben die Fläche des Workhouses als Ausstellungsfläche landwirtschaftlicher Gerätschaften benutzt. Es war tatsächlich kein Workhouse Museum, sondern es war ein ehemaliges Workhouse als Ausstellungsfläche für landwirtschaftliche Geräte. Zum Teil sah es aus wie ein riesiger Schuppen.

Vertane Gelegenheit

Traurige Ausstellung

Traurige Ausstellung

Auf meine Frage hin, warum man denn nicht mehr auf die Bedeutung des Workhouses eingeht, erwiderte der “Führer”, dass dies niemand wissen möchte. Man möchte den Besuchern mit dem Grauen des Workhouses nicht in Schrecken versetzen. “Ganz besonders junge Menschen würden doch das Weite suchen, falls man ihnen die Realität diese Ortes vor Augen führen würde.”