Die Grafschaft Galway ist mit 6.149 km², hinter Cork, die zweitgrößte Grafschaft der Insel Irland. Galway ist, als Grafschaft und auch als Stadt, eine atemberaubende Region.  Mit 250.541 Menschen (Volkszählung 2011) ist Galway bevölkerungstechnisch die 5. größte Grafschaft Irlands.

Die Stadt

Galway ist eine der jüngsten Städte Irlands. Sie ist erst im 12. Jahrhundert von 14 Kaufmannsfamilien gegründet worden. Sie wollten ein Handelszentrum im Westen Irlands errichten. Diese Pläne gingen nicht nur auf, sondern sollten alle Erwartungen übertreffen. Nicht nur blühte der Handel im Westen Irlands, sondern weit über die Grenzen Irlands hinaus. Ganz besonders mit Spanien herrschten enge Handelsbeziehungen. Allerdings sollte der Handel bald auch weit über Spanien hinaus blühen. So betrieb Galway erfolgreich Handel mit Ländern der Karibik.

Im Mittelalter war es einfacher und sicherer, sich mit einem Boot über Wasserwege (See, Meer oder Fluss) zu bewegen, als sich mühevoll über die Wege des Binnenlandes, welche von Räubern kontrolliert wurden, zu bewegen. Tatsächlich war es seinerzeit so, dass Galway engere Verbindungen zu Spanien und Dublin engere Verbindungen zu Wales hatte, als Dublin und Galway zueinander.

Familie Lynch

Lynch Castle

Lynch Castle

Eine der Gründerfamilien war die Familie Lynch. Diese Familie hatte traditionell das Amt des Richters inne. Dieses Amt wurde von Generation zu Generation weitergereicht. Diese Familie legte viel Wert auf Zucht und Ordnung. In vielen Reiseführern steht geschrieben, dass eines Tages der Sohnemann des Richters vor dem Papa stand. Angeklagt wegen Mord an einen Spanier. Angeblich hätte der Vater keine andere Wahl gehabt als den eigenen Sohn zum Tode zu verurteilen. Die Galwegians, wie sich die Menschen in Galway nennen, wissen eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Sie stimmen zu, dass die Familie Lynch das Amt des Richters inne hatten und das sie viel Wert auf Zucht und Ordnung legten. Sie stimmen auch zu, dass eines Tages der Sohn vor dem Herrn Papa stand. Allerdings nicht wegen Mord an einen Spanier angeklagt, sondern wegen einem minder schweren Deliktes des Diebstahls. Die Tatsache, dass der Sohn die Familie in ein schlechtes Licht rückte, stimmte den Vater äußerst zornig. Er verurteilte seinen eigenen Sohn kurzerhand zum Tode. Der Henker der Stadt empfand das Urteil als absolut überzogen und weigerte sich dieses zu vollstrecken.
Das führte dazu, dass der Vater selber Hand anlegte, daher der Begriff “Lynch Justiz“.

The Kings Head Pub in Galway

The Kings Head Pub

Shop Street

Die Shop Street ist die bedeutendste Fußgängerzone der Stadt Galway. Hier finden Sie nicht nur unendlich viele Läden, sondern auch einige Cafés, Pubs und Restaurants. Auch Fastfood Restaurants sind hier ansässig.

Lynch Castle

Auf der Shop Street finden Sie unter anderem auch ein befestigtes, mittelalterliches Turmhaus. Heute beherbergt dieses Gebäude eine AIB Bank. Das ist das frühere Wohnhaus der Familie Lynch gewesen. Aufgrund der Tatsache, dass dieses Gemäuer heute eine Bank beherbergt, ist es während der Öffnungszeiten der Bank, für die Öffentlichkeit zugänglich.

Oscar Wilde

Die Familie Wilde verfügter in Galway über einen Feriensitz. Die Familie verbrachte gerne ihre Urlaube hier. Um daran zu erinnern, hat man auf der Shop Street ein entsprechendes Denkmal errichtet. Dort sitzen der irische Schriftsteller Oscar Wilde und sein Herr Papa auf einer Bank. Touristen und Galwegians setzen sich gerne zu den Beiden und lassen sich fotografieren.

Nikolai Kirche

Auch auf der Shop Street finden Sie eine kleine protestantische Nikolai Kirche. Dort ist die Familie Lynch beigesetzt.

Eyre Square

Grünfläche voller Menschen

Eyre Square

Beim Eyre Square handelt es sich um eine große Grünfläche inmitten der Stadt Galway. Dort hat John F. Kennedy im Jahr 1963 eine Rede gehalten. Um diesen Anlass zu gedenken, hat man dort ein entsprechendes Denkmal errichtet. Dort finden Sie auch die Wappen der vierzehn Kaufmannsfamilien. Die Gründer, oder wie sie in Galway genannt werden – “the Tribes”. Daher auch der Beiname “the City of the Tribes”.

Eyre Square wartet auch mit den meisten öffentlichen Toiletten Irlands auf. Aber passen Sie auf. Diese öffentlichen Toiletten verfügen über ein Zeitmechanismus. Mit anderen Worten, falls Sie dort drinnen zu viel Zeit verbringen, geht die Tür automatisch auf. Also lächeln.

Fibber Magees

Entlang des Eyre Square finden Sie auch ein Pub namens Fibber Magees. Irland war weltweit das erste Land welches ein absolutes Rauchverbot am geschlossenen Arbeitsplatz einführte. Der Wirt des Fibber Magee Pubs sollte sich über dieses Verbot hinwegsetzen. Sie erklärten ihr Wirtshaus zur Raucherzone. Das Gesundheitsamt Galways kam auf den Plan und es kam zu einer Razzia, wobei einige Raucher auf frischer Tat ertappt wurden. Unter ihnen der Wirt und sein Geschäftspartner. Es kam zu einem Gerichtsprozess, welchen das Pub verlor.

Pubszene

Galway verfügt über eine tolle Pubszene. Die vielen jungen Menschen stellen die Nachfrage. Ein leichtes Dasein fristen diese Pubs in einer Stadt voller Studenten allerdings nicht. Studenten mögen ein feierndes Volk sein, aber es fehlt ihnen an Finanzkraft. Daher richten viele der Pubs ihr Programm auf Touristen aus.

Kathedrale von Galway

Kathedrale von Galway

Kathedrale

Die römisch-katholische Nikolai und Marien Kathedrale von Galway ist etwas ganz besonderes. Der Grundstein für dieses Gotteshaus ist am 31. Dezember 1957 gelegt worden. Baubeginn war in den ersten Tagen von 1958 und beendet wurde der Bau im Jahr 1965. Das Bauwerk sollte 1 Mio. £ kosten und das in einem Land ohne Kirchensteuer. Irland war damals mit Abstand das ärmste Land im Westen Europas. Wie hat die katholische Kirche Irlands diese Gelder zusammen bekommen? Durch Spenden. Die Iren sind schon immer ein äußerst spendenfreudiges Volk gewesen und sind es auch heute noch. Jeder Stein hat einen edlen Spender und so auch jedes der wunderschönen Buntglasfenster. Wobei es bei den Granitsteinen Probleme gegeben hätte, hat man bei den Buntglasfenstern die edlen Spender per Namenszug verewigt. Die meisten der Fenster tragen den Namen einer Firma, Familie oder religiösen Ordens – die jeweiligen Spender. Viele der Spenden kamen von Iren im Ausland.
Neben Granit hat man auch jeden erdenklichen irischen Marmor in der Kathedrale verarbeitet. Ob roten Marmor aus dem Süden, weißen Marmor aus dem Norden, grünen Marmor aus dem Westen, oder “schwarzen Marmor” aus Kilkenny.
Die Kathedrale steht auf dem Gelände des ehemaligen Stadtgefängnisses.

County Galway

Wappen von Galway

Wappen der Grafschaft Galway

Irisch (gälisch)

Die Grafschaft ist ein regelrechtes Juwel. Ganz besonders, aber nicht nur, Connemara. Fast 20% der Bevölkerung Galways kommunizieren ausschließlich auf irisch (gälisch). Galway ist somit die Region mit den meisten irisch sprechenden Menschen. Neben zahlreichen Radio- und Printmedien ist Galway auch das Zuhause des einzigen reinem, auf irisch sendenden Fernsehsenders (TG4).

Lough Corrib

Mit Lough Corrib verfügt die Grafschaft Galway über den größten Binnensee der Republik Irland. Der See umfasst fast 180 km². Auf dem See kann man herrliche Kreuzfahrten unternehmen. Auch Angeln und Wassersport stehen hoch im Kurs.

Salthill

Salthill ist die Hochburg der irischen Flitterwochen. Die Ortschaft verfügt über eine meilenweite Strandpromenade. Dort sind einige recht gute Hotels ansässig.

Clarinbridge

Clarinbridge ist die Hochburg des irischen Austernfestes. Alljährlich findet hier eines der bedeutendsten Austernfeste Europas statt. In Irland spült man Austern gerne mit einem gesunden Schluck Guinness hinunter. Irische Austern wachsen übrigens schneller und werden größer als Austern anderer Regionen. Der größte Abnehmer irischer Austern, sind die Franzosen. Als ich kürzlich mit einer Gruppe durch Clarinbridge fuhr sagte ich, dass Austern potenzsteigernd seien. Da rief eine Dame, welche mit ihrem Mann hinter dem Busfahrer saß, ganz laut “das stimmt aber nicht, dass haben wir letztens probiert”. Sie hätten mal ihren Mann sehen sollen. Der hätte sich am liebsten versteckt.

Pferdemarkt in Ballinasloe

Pferdemarkt in Ballinasloe

Ballinasloe

Ballinasloe, gelegen im östlichsten Teil der Grafschaft Galway, ist die Heimat des angeblich weltweit größten Pferdemarktes. Dieser wird jedes Jahr im Oktober abgehalten. Traditionell wurden in dieser Region Pferde für militärische Zwecke gezüchtet und gehandelt. Mit der Mechanisierung der europäischen Armeen, hat man in Ballinasloe festgestellt, dass der Bedarf an Pferden für militärische Zwecke abnahm. Man sattelte um und züchtet heute hauptsächlich Pferde für den Springturniere. Ballinasloe liegt am Flüsschen Suck, welcher ein Zufluss des Shannons ist.

Gort

Gort nennt man auch gerne “Little Brasil” (Klein Brasilien). Sie werden feststellen, dass in diesem kleinen unscheinbaren Marktort, eine sehr große brasilianische Gemeinde ansässig ist. Die Brasilianer wurden ursprünglich einmal als Erntehelfer nach Gort geholt und haben sich inzwischen sehr gut integriert und gehören fest zum Ortsbild. Es gibt in Gort sogar einen brasilianischen Supermarkt.

Kinvarra

Boot mit Segeln

Galway Hooker

Auch Kinvara geschrieben, ist ein kleiner romantischer Hafenort nahe des Burrengebietes. Der Ort besticht durch viele nette kleine kunterbunte Häuschen. Ein Hotel inmitten der Ortschaft verfügt über eines der größten Reetdächer Irlands. In Kinvarra finden zwei große Feste statt. Anfang Mai ein Musikfest und Mitte August “das Treffen der Boote”. Bei dem “Treffen der Boote” gedenkt man den Galway Hooker Booten, welche in dieser Region über mindestens zwei Jahrhunderte eine wichtige Rolle gespielt haben. In Kinvarra steht auch eine Wasserburg. Hier handelt es sich um Dunguaire Castle, ein Turmhaus aus dem 15. Jahrhundert. In dieser Burg finden auch heute noch Ritteressen statte, welche musikalisch begleitet werden.