Am 21. April 2015 wurde bekannt gegeben, dass Prinz Charles und seine Frau Camilla im Mai 2015 zu Besuch kommen werden. Eine äußerst kurze Vorlaufzeit für einen solch hohen Besuch. Für meine Leser mag das nichts besonderes sein, ein Besuch der britischen Königsfamilie, aber in der Republik Irland ist es etwas ganz seltenes.

Königin Elizabeth II

Der Besuch von Königin Elizabeth II in 2011 war ein neuer Abschnitt im anglo-irischen nachbarschaftlichen Verhältnis. Der letzte amtierende Monarch vor diesem historischen Besuch war König Georg V und dieser kam im Jahr 1911 nach Irland. Es sind also 100 Jahre zwischen diesen beiden Besuchen vergangen. Eine Tatsache die viel über das nachbarschaftliche Verhältnis dieser zwei Nationen aussagt.

Besuch nicht unumstritten

Als der Besuch von Elizabeth II bekannt gegeben wurde, war die Nation dreigeteilt. Ein Drittel sagte “wir wollen diese Frau nicht auf der Insel haben. Sie soll sich erst einmal für das entschuldigen, was ihre Familie hier über 800 Jahre angestellt hat”. Ein weiteres Drittel meinte “lasst sie hier Urlaub machen, so wie andere Engländer auch, aber ohne staatliche Ehren” und das letzte Drittel sagte “lasst die Vergangenheit Vergangenheit sein. Lasst uns der Weltöffentlichkeit zeigen, dass wir eine reife erwachsene Nation sind und nach vorne schauen. Lasst sie kommen, mit allen staatlichen Ehren.”

Nachdem sich herausstellte, dass die Königin gar nicht um den Besuch gebeten hatte, sondern von der damaligen irischen Präsidentin Mary McAleese eingeladen wurde, schwankte die Meinung im Volk noch mehr zu einem “nein, wir wollen sie nicht hier haben, wir sind noch nicht soweit”.
Es kam sogar zu Morddrohungen.

Der tatsächliche Besuch

Polizisten säumen den Straßenrand

Straßen Dublins während der Königins Stadtrundfahrt

Dann kam sie, die Königin. Als erstes hielt sie eine Rede, teilweise auf irisch (gälisch). Das ist die Sprache, die die Briten den Iren verboten hatten. Damit hatte man versucht den Iren ihre Identität zu rauben. Mit dieser Geste hatte die Königin es geschafft eine ganze Menge Aufmerksamkeit von genau den Iren zu gewinnen, die sich dazu entschieden hatten, den Besuch zu ignorieren. Falls Sie den Besuch seinerzeit mitverfolgt haben, werden Sie festgestellt haben, dass während der Dubliner Stadtrundfahrt keine Fahnen wedelten Menschenmassen die Straßen säumten. Die Königin fuhr durch eine menschenleere Stadt.

Auch wenn Sie als Ire das Spektakel gerne live mitverfolgt hätten, sie wären nicht an den Straßenrand der Strecke gekommen. Aus Sicherheitsgründen. Man nahm die Drohungen gegen die Königin sehr ernst. Es wurde auch ein Reisebus in Leixlip, vor den Toren Dublins aufgespürt. Dieser Reisebus hatte zwar keine Gäste an Bord, allerdings waren die Gepäckfächer mit Sprengstoff geladen. Diese Ladung war für die Königin gedacht.

Viele Iren taten jedoch so, als hätten sie gar kein Interesse an dem Besuch, obwohl das nicht wirklich stimmte. Ich glaube, dass viele Menschen nicht genau wussten, wie ihr Interesse bei ihren Mitmenschen ankommen würde.

Königin Elizabeth im Dubliner Gedächtnisgarten

Königin Elizabeth II im Gedächtnisgarten

Gesten ohne Gleichen

Eigentlich hatte man sich erhofft, dass die Königin sich für das entschuldigen würde, was ihre Familie hier in Irland über Jahrhunderte angerichtet hatte. Jedoch lernte man sehr schnell, das dies nicht die Art des britischen Königshauses sei.

Allerdings legte die Königin dann einen Kranz einem Ort größter symbolischer Bedeutung. Im Dubliner Garden of Remembrance (Gedächtnisgarten). Da wo man den Menschen gedenkt, die sich über Jahrhunderte hinweg gegen die britische Krone erhoben haben. Dies war eine Geste, welche nie in Worte hätte gefasst werden können.

Desweiteren legte die Königin einen Kranz im Croke Park Stadion, wo im November 1920, währen des Unabhängigkeitskrieges britische Soldaten auf Fans und Spieler des ausverkauften Stadions eröffnete. Damals kamen im Stadion 14 Menschen ums Leben.

In Cork, der zweitgrößten Stadt der Republik Irland, mischte sie sich tatsächlich unter das Volk und schüttelte Hände mit den Bürgern. Von Cork aus wurde der bewaffnete Widerstand, zu Zeiten der Unruhen gelenkt.

Abschied

Als die Königin von Cork abflog, stand sie auf der Treppe ihres königlichen Fliegers, drehte sich um und hatte Tränen in den Augen. Diese Tränen bewies auch dem letzten Iren “hinter dieser Königin verbirgt sich eine richtige Frau“.

Präsident Higgins und Königin Elizabeth II

Königin Elizabeth II und Präsident Higgins in London

Gegenbesuch

Am 7. April 2014 begann ein viertägiger Gegenbesuch des irischen Präsidenten, Michael D. Higgins, in London. Das war der erste Staatsbesuch eines irischen Präsidenten im Vereinigten Königreich. Präsident Higgins verbrachte alle Nächte im Windsor Castle, welches eher unüblich für Staatsbesuche ist.

Historische Anrede

Als die Iren 1937, über die Köpfe der Briten hinweg, ihre Verfassung umschrieben, setzten sie einen Präsidenten ein. Dieser Präsident hat in der Verfassung Irlands den offiziellen Titel “Präsident von Irland“, mit anderen Worten, der Präsident aller Iren, Nord wie Süd. Diesen Titel haben die Briten in der Vergangenheit nie anerkannt. Bei jeglichen Korrespondenzen, haben die Briten den irische Präsidenten als “Präsident der Republik Irland” angesprochen. Das offizielle Oberhaupt Nordirlands ist die Königin.

Bei der Einladung des irischen Präsidenten, wurde der irische Präsident vom britischen Königshaus mit “President of Ireland” (Präsident von Irland) angesprochen. Dies war ein historischer Moment. In diplomatischen Kreisen hat es für sehr viel positive Aufregung gesorgt. Diese kleine Feinheit ist von allergrößter Bedeutung.

Ergebnis

Diese Besuche sollten tatsächlich einen neuen Abschnitt in der anglo-irischen Nachbarschaft nach sich ziehen. Die Ankündigung des Besuchs von Charles und Camilla sind jetzt eine Fortsetzung dieser unglaublich positiven Geschichte, welche gerade geschrieben wird. Bleiben Sie dran.

Fortsetzung folgt morgen

Im 2. Teil dieses Themas werde ich eine Vorschau auf den Besuch von Prinz Charles und Camilla im Mai 2015 veröffentlichen.