2008 stand wieder ein EU Vertrag an, der von den Iren ratifiziert werden sollte. Hier hat man sich entschieden, den Iren erst gar nicht den gesamten Vertrag, vorzulegen. Man fütterte den Iren scheibchenweise, was ihnen womöglich schmecken würde. Doch den Iren war dies nicht geheuer.

Voller Einblick, oder keine Unterschrift

Sie forderten den gesamten Umfang des Vertrages zur Einsicht. Die Verantwortlichen lehnten ab und sagten “um diesen Vertrag zu verstehen, müsstet ihr alle vorherigen Verträge im Wortlaut kennen.” Dann fragten die Iren ihren damaligen Premierminister, Brian Cowan. Brian, kannst Du uns sagen, was im Vertrag steht. Brian sagte “Ich habe den Vertrag nicht gelesen” und er glaubt auch nicht das irgend jemand anderes in seinem Kabinett den Vertrag gelesen hat. Falsche Antwort. Die Iren warnten, sie sagten ganz klar, entweder wir bekommen den gesamten Vertragsinhalt zur Einsicht, oder wie können ihn nicht “unterschreiben”.

Spekulationen

Wenn die Iren keine Fakten haben, spekulieren sie. So wurde spekuliert, dass die Abtreibungsgesetze der EU harmonisiert werden sollten. Abtreibung ist ein rotes Tuch in Irland. Dieses Thema werde ich noch getrennt behandeln. Diese Spekulation wurde im Endeffekt ernst genommen und man garantierte den Iren zu einem späteren Zeitpunkt, dass ein EU einheitliches Abtreibungsgesetz nicht zur Debatte stand.

Verlust des Kommissars

Dann kam heraus, dass die Iren und andere kleine Staaten ihren einzigen Kommissar verlieren würden. Das hätte zur Folge gehabt, dass die Iren und andere kleine Staaten bei der Ausarbeitung zukünftiger Verträge nicht mehr mitwirken hätten können. Sie hätten lediglich über diese Verträge abstimmen können. Alleine dies reichte den Iren den Lissaboner Vertrag abzulehnen.

Die Iren sagen Nein

Bild von Brian Cowan

Damaliger Premierminister, Brian Cowan

Die Iren gingen zur Urne und stimmten gegen den Lissaboner Vertrag. Der damalige Premierminister, Brian Cowan wurde nach Brüssel zitiert. Man haute ihm auf die Finger und sagte “Dein Volk hat falsch abgestimmt, gehe nach Hause und korrigiere dies.” Brian Cowan wusste das dies nicht ging.

Lissaboner Vertrag wird veröffentlicht

Der Inhalt des Lissaboner Vertrags wird daraufhin der irischen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Man kann ihn entweder online einlesen, oder im vollen Umfang herunterladen. Auf Wunsch wird er auch per Post nach Hause geschickt. Der Vertrag wurde auf allen Ebenen inspiziert und letztendlich wurden 12 Punkte heraus kristallisiert, welche in Brüssel nachverhandelt wurden. Nicht alle Punkte konnte man durchboxen, doch die Punkte die man durchsetzte, reichten um den Vertrag letztendlich per Referendum durchzusetzen.