1984 wurden von Brüssel “vorübergehend” die Milchquoten (oder besser Quoten für Molkereiprodukte) eingeführt. Sie sollten für eine Dauer von 5 Jahren in Kraft sein. Der Hintergrund war ein stets zunehmender Berg von Molkereiprodukten. Es herrschte eine Überproduktion. Lebensmittel mussten teilweise verschenkt, oder gar vernichtet werden. Die Quote wurde an landwirtschaftliche Nutzfläche gekoppelt. Laut dieser Quoten konnten Milchbauern nur eine gewisse Menge Milch produzieren und auf den Markt bringen. Falls diese Mengen überschritten wurden, mussten nicht unerhebliche Strafgebühren bezahlt werden.

Milchquoten wurden gehandelt

Milchquoten waren ein Vermögensbestand und wurden gehandelt. So wurden Milchquoten ge- und verkauft, getauscht oder anderweitig abgegeben. Es gab einen regelrechten Markt dafür.

5,5% für 75 Mio.  €

Im Jahr 2014 haben die Iren z. B. 5,5% über ihre Quote produziert. Ganz bewusst, denn sie haben ihre Herden expandiert um für den Wegfall der Milchquoten gewappnet zu sein. Diese 5,5%ige Überproduktion, hat die Iren 75 Mio. € gekostet.

Veränderter Markt

Seit der Einführung der Milchquoten ist die globale Bevölkerung enorm angewachsen und somit ist auch der Bedarf an Lebensmitteln gestiegen. Irland lässt sich in vielen Hinblicken mit Neuseeland vergleichen. In diesen Ländern herrscht ein sehr ähnliches Klima. Aufgrund dessen wird vorwiegend Weidehaltung betrieben. Beide Länder haben eine äußerst geringe Bevölkerung, produzieren also in erster Linie für den Export ihrer landwirtschaftlichen Produkte.
Seit Einführung der EU Milchquoten, konnten die Neuseeländer ihre Milchproduktion vervierfachen. Sie sind inzwischen Exportweltmeister ihrer Molkereiprodukte. Die Iren möchten einen Teil dieses Marktes für sich gewinnen.

Umsteigen

Kuhherde auf saftiger irischer Weide

Typisches Bild in Irland

Milchbauer expandieren und Landwirte die sich bisher hauptsächlich mit der Rindfleischproduktion beschäftigt haben, rüsten um. Es gibt viele Landwirte in Irland, die der Haltung von Rindern den Rücken kehren und mit dem Bau eines Melkstalls und der Anschaffung von Milchkühen den Umstieg wagen.

 

CO2 Ausstoß

Irland hat ein Problem. Mit der gewaltigen Anzahl von Kühen auf irischen Weiden, verzeichnet man natürlich auch den damit verbundenen CO2 Ausstoß, in Form von Methan. Auch eine Kuh muss hin und wieder Luft ablassen und zwar gewaltig. Wenn wir die jährlichen CO2 Werte einer Kuh, mit den CO2 Werten eines im Jahr 2015 zugelassenen 1er BMW vergleichen, so ist eine Kuh ein Drittel mehr Umweltbelastend als der BMW.

Bild von einem kunterbunten Cafe

“Milchmarkt Cafe”, Kinsale

Kalkulation

Die Rechnung könnte natürlich auch nicht aufgehen. Kritiker warnen die Iren zur Vorsicht, denn die Milchquoten fallen nicht nur für Irland weg, sondern für alle EU Mitgliedsstaaten. Sollten andere EU Staaten so denken wie die Iren, stehen sie in direkter Konkurrenz und Irland könnte sehr schnell verdrängt werden.