irischer Rundturm

Rundturm von Glendalough

Die Rundtürme des frühchristlichen Irlands wurden fast alle im 12. Jahrhundert gebaut. Die Türme sind in der Regel zwischen 28 und 32 m hoch und wurden in den meisten Fällen im Trockenbau, ganz ohne Mörtel oder sonstigen Bindemittel, gefertigt.
Die Türme verfügen über 60 – 100 cm Fundament und die Bauzeit betrug etwa 12 Monate. Sie verfügten über zwei bis sechs hölzernen Etagen, welche durch Leitern miteinander verbunden waren. Die ursprünglichen Etagen sind über die Jahrhunderte verrottet. Es gibt einige wenige Türme, wo die Etagen nachempfunden wurden. Diese Türme, so wie den in Kilkenny (St. Canices Kathedrale), kann man besteigen.

Glockenturm

Der irische Name Cloigtheach heißt, ins Deutsche übersetzt, Glockenturm. Daher haben viele Historiker über lange Zeit behauptet das Mönche den Turm mehrfach am Tag bestiegen hätten, um mit einer Handglocke, aus den spiralförmig angelegten Fenstern zum Gebet geläutet haben sollen.

Aussichtsturm

Andere Historiker wiederum behaupteten, dass die etwa 30 m hohen Türme sich ideal als Aussichtsturm geeignet hätten. In der Regel waren am oberen Ende des Turms in alle vier Himmelsrichtungen Fenster eingelassen. Somit konnte man von dort oben herannahende Gefahren erkennen und dann mit einer Handglocke auf diese Gefahr hinweisen.

Fluchtturm

Tür eines irischen Rundturms

Tür des Rundturms von Clonmacnoise

Wenn man sich die Türme jedoch etwas näher anschaut, dann stellen Sie fest, das die Türen zwischen 2 und 8 m über dem Erdboden angebracht sind (in der Regel 3,50 m bis 4 m). Lange glaubte man das es sich hierbei um eine reine Sicherheitsvorkehrung handelt. Somit eilten dann einige Historiker zu dem Entschluss das es sich um Fluchttürme handelte. Mönche hätten sich dort mit ihren Schätzen in Sicherheit gebracht. Die Türme konnten nur mit einer Leiter betreten werden. Der letzte hat die Leiter eingezogen und schon fühlte man sich sicher.

Beengt

Wenn man jedoch bedenkt, dass die Türme ein etwa 1 m dickes Gemäuer haben und sich nach oben hin verjüngen und darüber hinaus über fünf bis sechs Etagen verfügten, hätten nicht viele Mönche und ihre Schätze, dort Platz gefunden.

Statik

Ein weiterer Grund für die erhöhte Tür dürfte die statische Hintergründe haben. Wenn wir uns daran erinnern das die Türme tatsächlich nur ein Fundament von etwa 60 cm bis 100 cm hatten und um die 30 m hoch waren, dann hätte man die Türme mit einer ebenerdigen Tür statisch gesehen weiter geschwächt.

Steile Leiter im Rundturm, zur nächsten Etage führend

Nachstellung einer Etagenstruktur

Schornstein

Sicher waren sie auch nicht wirklich. Potentielle Angreifer brauchten nur ein Feuer, strategisch klug, im Eingangsbereich legen und schon entwickelten sich diese Türme zu Schornsteinen. Die im Turm, Schutz suchenden Menschen, erstickten qualvoll.

Vielseitig

Wir sehen, die Türme waren sehr vielseitig. Tatsächlich glauben wir, dass all die o.g. Zwecke Verwendung gefunden haben – sie aber in erster Linie, so wie es der irische Name zum Ausdruck bringt, als Glockentürme gebaut wurden.

Baukunst

Es würde mich einmal interessieren, wie sich Ihr Bauamt verhalten würde, falls Sie dort einen Bauantrag vorlegen, nach welchem Sie vorhaben, einen etwa 30 m hohen Turm mit nur etwa einem Meter Fundament, ohne Mörtel zu bauen. Wahrscheinlich wird das Bauamt einen Antrag auf Einweisung in die Geschlossene stellen.