Der Nordirland Konflikt (in Irland “The Troubles”) ist ein sehr heikles Thema. Fest steht das es sich nicht um einen Konflikt religiösem Hintergrunds handelt. Bei diesem Konflikt dreht es sich in erster Linie um Zugehörigkeit.

Kurz erklärt

Wenn man über die beteiligten Parteien dieses Konflikts redet, benutzt man in Irland wie sonstwo auf der Welt, in der Regel die Begriffe katholisch und protestantisch. Ich werde an dieser Stelle versuchen zu erklären, woher diese Begriffe kommen.

Katholisch und Protestantisch


 

Protestanten


 

Die Menschen, die wir im Rahmen des Nordirland Konflikts als Protestanten darstellen, sind in Wirklichkeit Unionisten, bzw. Loyalisten.

Unionisten sind Menschen, welche eine Zugehörigkeit Nordirlands zum Vereinigten Königreich beibehalten möchten. Unionisten haben sich der friedlichen, politischen Arbeit gewidmet.
Unionisten = United Kingdom – UnionistsUnionisten

Loyalisten  sind Menschen, die sich der englischen Krone verbunden fühlen. Sie möchten, wie die Unionisten, eine Zugehörigkeit des Vereinigten Königreiches beibehalten. Die Loyalisten sind hauptsächlich in den Arbeiterkreisen Nordirlands wiederzufinden. Loyalisten sind oft Gewaltbereit.
Loyalisten = Loyal der englischen Krone – Loyalisten


 

Katholiken


 

Die Menschen, die wir im Rahmen des  Nordirland Konflikts als Katholiken darstellen, sind in Wirklichkeit Republikaner, bzw. Nationalisten.

Republikaner = sind Menschen, die eine Insel als eine Republik möchten und extremere Ansichten verfolgen, wenn es um das Erreichen dieses Zieles geht.

Nationalisten = sind Menschen, die eine Nation auf einer Insel (Irland) möchten. Sie behaupten die Kultur, Sprache und andere Traditionen des irischen Volkes beibehalten zu wollen.


 

Religion spielt keine Rolle

Die Unionisten/Loyalisten repräsentieren die religiöse Realität Großbritanniens. Sie sind größtenteils protestantisch mit ein paar Katholiken und Religionslosen unter ihnen.
Wobei die Nationalisten/Republikaner die religiöse Realität der Republik Irlands reflektieren. Bei ihnen handelt es sich in erster Linie um Katholiken, zusammen mit ein paar Protestanten und Religionslosen.

Sie sehen, die Religion steht nicht im Vordergrund.

Tradition

Wenn wir über Tradition reden, haben wir oft nur Gutes im Sinn. Im Falle des Nordirland Konfliktes kommt das Gute etwas zu kurz.
Vergangenes Jahr war ich mit einer Reisegruppe in Belfast. Wir übernachteten im Days Inn Hotel, in unmittelbarer Nachbarschaft der Sandy Row. Sandy Row ist eine absolute loyalistische Hochburg, mit einer starken Verbindung zur UDA (eine loyalistische paramilitärische Organisation).

Union Flag

Union Flag

Ich beobachtete regelrechte Kämpfe zwischen nordirischer Polizei und “Loyalisten” dieses Viertels. Es wurden Molotov Cocktails auf Polizeifahrzeuge geworfen. Hundertschaften der Polizei wurden mit gepanzerten Fahrzeugen zur Loyalistensiedlung gebracht. Es war geisterhaft. Lärm, Explosionen, Staub, Rauch, Gestank, Feuer und Chaos herrschte auf den Straßen und mittendrin – Kinder. Kinder umhüllt mit der Unionflag.

Kinder an die Front

Diese Kinder sind die nächste Generation.

Nach diesen Unruhen haben die Bewohner dieser Sozialsiedlung wahrscheinlich neue Kinderspielplätze oder Dreifachverglasung versprochen bekommen. Diese regelmäßigen Aufstände sind Tradition.

Problem der Arbeiterklasse

Sandy Row ist nur eine von vielen Arbeitersiedlungen, wo ganz besonders in Belfast, in der Vergangenheit Unruhen loderten. Besonders zu Zeiten wirtschaftlicher Krisen, drohten Unruhen auszubrechen.
Traditionell spitzen sich mögliche Ausschreitungen im Juli zu. Nach heutiger Zeitrechnung, standen sich am 12. Juli 1690 am Fluss Boyne, nördlich von Dublin 60.000 Soldaten gegenüber und trugen die legendäre Schlacht am Boyne aus.

Marschierende am 12. Juli

Parade am 12. Juli

Die Protestanten, unter Führung von Wilhelm von Oranien setzte sich damals gegen die Katholiken durch. Diese gewonnene Schlacht wird alljährlich gefeiert. Höhepunkte dieser Feierlichkeiten sind der 12. Juli, wo Loyalisten mit Getöse und Getrommel durch Katholikengebiete marschieren um diese gewonnene Schlacht zu feiern.

Provokation

Diese Märsche sind natürlich rein provokativ. Wir haben also auf der einen Seite Menschen welche provozieren und auf der anderen Seite haben wir Menschen, welche sich provozieren lassen und solange wir diese beiden Komponenten haben, solange kann es auch noch zu Unruhen kommen. Es gibt seit geraumer Zeit Arbeitsgruppen, wo die Strecken der Märsche so koordiniert werden sollen, dass es nicht mehr zu diesen massiven Provokationen kommt. Die Fortschritte dieser Arbeitsgruppen feiern gemischte Erfolge.

Paramilitärische Einheiten

Wir kennen alle die IRA (irisch republikanische Armee), aber wer kennt die UDA oder UVF, um nur zwei loyalistische (“protestantische”) paramilitärische Einheiten zu nennen.

Wandgemälde in Belfast

Paramilitärische Organisationen der Loyalisten

Die Loyalisten Nordirlands hatten genauso bewaffnete Untergrundarmeen, wie auch die Nationalisten (“Katholiken”). Sie waren nur weniger bekannt, da sie die Drecksarbeiten der Briten erledigten und Jagd auf die IRA machten. Sie wurden in der Regel von den britischen Einheiten nicht nur nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern sie wurden tatsächlich teilweise unterstützt.

Die paramilitärischen Organisationen der Protestanten (Loyalisten) haben genauso viel Blut an ihren Händen kleben, wie die paramilitärischen Organisationen der Katholiken (Nationalisten/Republikaner).

3.000 Tote

Die paramilitärischen Gruppierungen beider Seiten haben tatsächlich 3.000 Menschenleben auf dem Gewissen. Dazu kommen unzählige Verletzte. Dazu gehören auch Menschen die während dieser Anschläge Körperteile verloren haben.

vermummte. bewaffnete Männer

PIRA, provisorische irische-republikanische Armee

Amnestie für die Täter / Lebenslänglich für die Opfer

Viele der damaligen Terroristen, haben mit dem Karfreitagabkommen eine Amnestie erhalten. Sie mussten sich lediglich für das was sie angerichtet hatten entschuldigen und schon waren sie wieder auf freiem Fuß.
Wenn wir jedoch an die vielen Opfer denken – an die für immer zerstörten Leben, an die Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Ehefrauen, Ehemänner, Töchter, Söhne und Freunde der Opfer, denken – die haben Lebenslänglich bekommen.

Scheinheilige Friedensgespräche

In den 80er Jahren wurden unter Führung von der eisernen Lady, Margaret Thatcher, scheinheilige Friedensgespräche geführt. Scheinheilig deshalb, da sie nicht alle beteiligten Parteien, sprich Sinn Fein (der damalige politische Flügel der IRA) eingeladen hat. Diese Gespräche konnten zu keinen Erfolgen führen und verschärften die Lage.

Margaret Thatcher redete nicht mit Gerry Adams

Margaret Thatcher redete nicht mit Gerry Adams

Nägel mit Köpfen

In den frühen 90er Jahren, unter Führung des irischen Premierministers Albert Reynolds und seinem britischen Kollegen John Major, wurden erstmals Nägel mit Köpfen gemacht. Sie luden alle beteiligten Parteien an den Tisch. Desweiteren beteiligten sich auch der U.S. amerikanische Präsident (irischer Abstammung) Bill Clinton und ein kanadischer General an den Gesprächsrunden. Das führte letztendlich zu dem Karfreitagabkommen, auch als Belfaster Vertrag bekannt.

Karfreitagabkommen/Belfaster Vertrag

1998 kam es dann im Süden wie im Norden Irlands zu einem Volksentscheid. Die Iren auf beiden Seiten der Grenze einigten sich auf die folgenden Punkte.

  • Die Regierung der Republik Irland verzichtet auf ihre Forderung nach einer Wiedervereinigung mit Nordirland.
  • Irische und nordirische Behörden arbeiten zusammen.
  • Die paramilitärischen Truppen der Irish Republican Army (IRA), der Ulster Defence Association (UDA) sowie der Ulster Volunteer Force(UVF) erklären ihre Bereitschaft zur Entwaffnung.
  • Die Entlassung von Untergrundkämpfern aus dem Gefängnis wird in Aussicht gestellt.
  • Großbritannien sagt eine Verringerung seiner Truppenpräsenz in Nordirland zu.
  • Die Möglichkeit einer Wiedervereinigung mit der Republik Irland wird nicht ausgeschlossen, wenn sich die Mehrheit der Nordiren dafür ausspricht.
  • Der Government of Ireland Act wird zurückgenommen.
Stormont mit Zufahrt

Stormont – Sitz der nordirischen Nationalversammlung

Desweiteren wurde festgestellt, dass die Menschen Nordirlands die irische, sowie auch die britische Staatsangehörigkeit wählen dürfen. Sie können einen irischen oder britischen, oder auch beide Pässe wählen.

Vereinigung Irlands?

Für die Republik Irland war der folgende Verzicht auf das Territorium Nordirlands von größter Bedeutung. Heute spielt, in der Politik der Republik Irlands, eine Wiedervereinigung mit Nordirland keinerlei Rolle mehr – mit Ausnahme der Partei Sinn Fein.

Wenn ich mit Menschen in Nordirland rede, stelle ich gerne ganz bewusst die Frage einer Wiedervereinigung. Traditionell wollen die Loyalisten, sowie die Unionisten nichts von einer Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irlands wissen. “Wir lassen uns doch nicht vom Papst regieren” war traditionell die Antwort. Die Loyalisten sind auch heute noch Bereit zur Waffe zu greifen, bevor sie es zulassen würden das die sechs Grafschaften Nordirlands zur Republik gehören.

Sonderstatus im Vereinigten Königreich

Vereinigung Irlands - ja oder nein?Wenn Sie vor 10 oder 15 Jahren Katholiken Nordirlands gefragt hätten, ob sie für eine Vereinigung der Insel wären, dann hätten Sie höchstwahrscheinlich immer gehört “ja, unbedingt. Wir brauchen vernünftige Arbeitsplätze, Häuser, Schulen etc”. Wenn Sie heute einen Katholiken fragen, dürfen Sie nicht überrascht sein, wenn Sie hören “Vereinigung mit der Republik Irland? Mmm, wir haben vernünftige Arbeitsplätze, Häuser, Schulen…., dass einzige das sich für uns verändern würde, wäre die Tatsache das wir unseren Sonderstatus im Vereinigten Königreich verlieren würden. Das ist ein bisschen, als würden Sie einen Südtiroler fragen, ob er dafür wäre wieder zu Österreich zu gehören.

Es herrscht Frieden

Tatsächlich können wir heute sagen, dass Frieden herrscht. Ja, es gibt hier und da noch Ausschreitungen, aber wo gibt es das nicht. Grundsätzlich ist Nordirland ein friedliches Pflaster und ganz offiziell, statistisch gesehen, eine der sichersten Regionen Europas.