Gesundheitswesen auf der Intensivstation

Irland hat eines der schwächsten Gesundheitswesen der EU. Ganz besonders wenn es um Zugänglichkeit (Wartezeiten für Behandlungen und Operationen) und Patientenrechte (inklusive Informationsfluss für Patienten) geht.

Krankenversicherung ist freiwillig

In Irland sind Sie entweder privat versichert, oder Sie sind nicht versichert.
Etwa 35% der Bevölkerung ist unter einem gewissen Einkommensniveau, welches Sie zu einer “Medical Card” berechtigt. Das ist eine Karte, mit einem Chip versehen, worauf all Ihre medizinischen Daten hinterlegt sind. Wenn Sie eine solche Karte besitzen, kümmert sich der Staat um Sie. Der Staat sagt allerdings nicht wann.

Ärztemangel für sozial Schwache

Wenn Sie eine solche Karte bekommen, müssen Sie losziehen um einen Hausarzt zu finden, der Sie als Patient aufnimmt. Tatsächlich gibt es nicht genügend Ärzte die sozial Schwache als Patienten aufnehmen. Das hat verschiedene Gründe.
Manche Ärzte würden gerne sozial Schwache betreuen, qualifizieren sich aber nicht dafür, da sie verschiedene Kriterien nicht erfüllen. Andere wollen keine sozial Schwachen aufnehmen, da sie regelmäßig ihre Bücher offenbaren müssen.

Keine freie Arztwahl

Falls Sie keinen Hausarzt finden der Sie aufnimmt,  weist Ihnen der Staat einen zu. Ob Sie den Arzt selber gefunden haben, oder ob Ihnen der Staat einen zugewiesen hat – Sie dürfen nur zu diesem einen Arzt. Sie haben keine freie Arztwahl. Können sich also keine zweite, oder gar dritte Diagnose einholen.

Ärzte überlaufen

Diese Ärzte sind in der Regel so überlaufen, dass es passieren kann, dass Sie Ihren Arzt an einem Montag anrufen und sagen “mir geht es nicht gut, kann ich bitte einen Termin haben?” und Ihr Arzt antwortet, “ja, dann komm nächste Woche Mittwoch mal vorbei.”
Wir haben in Irland tatsächlich Warteschlangen, wo Menschen Monate, manchmal sogar Jahre, auf eine Behandlung bzw. Operation warten.

Nationaler Krisenplan

Es gibt inzwischen einen sogenannten “nationalen Behandlungsplan”. Laut diesem Plan haben Sie als sozial Schwacher einen Anspruch auf Behandlung, oder Operation, in einem irischen Privatkrankenhaus bzw. einem EU Land Ihrer Wahl. Insoweit Sie seit mindestens 12 Monaten auf eine Behandlung, bzw. Operation, gewartet haben (jetzt füge ich hinzu “und noch leben”).

Behandlungspflicht

Hier muss erwähnt werden, dass es auch in Irland eine Behandlungspflicht gibt. Sagen wir mal, Sie werden nach einem Unfall am Straßenrand aufgefunden. Dann wird man Sie nicht zunächst nach einer Kreditkarte durchsuchen, sondern man wird Sie bevorzugt behandeln. Gleiches gilt im Falle eines Herzinfarktes oder so. Die Rechnung wird jedoch folgen, falls nicht an Sie, dann an Ihre Hinterbliebenen.

Staatliche Kulanz

Auch im Falle einer, unter Umständen, langanhaltenden oder gar schweren Krankheit, wie z. B. Krebs, kümmert man sich um Sie bestens. Als Krebskranker erhalten Sie z. B. auf Kulanzbasis vom Staat eine “Medical Card”. Der Staat übernimmt alle Kosten für Ihre Behandlung. Jedoch wird von Ihnen erwartet, dass falls Sie es sich leisten können, auch einen Anteil übernehmen.

 Private Versicherung

Heute verfügen noch etwa 50% der Gesamtbevölkerung über eine private Krankenversicherung.
Früher, zu Zeiten der Vollbeschäftigung, hat 70 – 80% der arbeitenden Bevölkerung über eine Privatversicherung verfügt. Es war ein Lockmittel der Arbeitgeber, welche sich regelrecht um Arbeitskräfte schlugen. Heute können Sie bei 10,3% Arbeitslosigkeit froh sein, einen Arbeitsplatz zu haben. Heute wird nicht mehr mit Krankenversicherungen etc. gelockt.
Etwa 95% aller privat Versicherten haben einen sogenannten “Plan B”. Das beinhaltet in der Regel keinen Hausarzt-, Zahnarzt-, oder Augenarztbesuch.
In Irland zahle ich für einen Hausarztbesuch (mit Plan B, oder ohne Krankenversicherung) 50€. Ich habe Bekannte, die zahlen tatsächlich 70€. Ich rede jetzt über eine Art Begrüßungsgeld pro Besuch. Nicht pro Quartal.

Hausarzt ab 50€ pro Besuch

Es gab schon Momente, wo ich montags zu meiner Hausärztin ging wegen einer Sache und donnerstags wegen einer anderen Sache. Das hat mich dann tatsächlich 100€ innerhalb weniger Tage gekostet.
In Irland gehen Sie nicht einfach mal zum Arzt. Heutzutage fragen sie erst einmal Doktor Google oder vielleicht doch die Oma?. Wenn Sie dann eine Diagnose erstellt haben, legen Sie selber Hand an. Die Diagnose könnte eventuell falsch gewesen sein, somit auch die Kur. So werden Krankheiten verschleppt und vielleicht sogar chronisch.

Schau mir in die Augen (30€)

Damit mir meine Augenärztin in die Augen schaut, zahle ich mindestens 15€. Das ist ein Sonderangebot von “Specsavers”, der irischen Antwort auf Fielmann.
Ich trage seit meinem 8. Lebensjahr eine Brille und muss sagen das ich mich in Irland als Brillenträger sehr unwohl fühle. Nicht weil ich als Brillenträger nicht aufgenommen werde, sondern, weil ich es von Deutschland aus gewohnt war einen Augenarzt aufzusuchen. Dieser Augenarzt hätte mir dann ein Rezept gegeben mit welchem ich dann zum Optiker gerannt wäre.

Nicht in Irland. In Irland geht man zum Optiker und der Optiker untersucht die Augen und verkauft auch alles was man für die Augen (oder Gehör) braucht.
Das war mir noch nie geheuer.

Zahnarzt (70€)

Damit ich meinen Mund aufmachen darf, zahle ich meiner Zahnärztin 70€.
Bei meiner Zahnärztin (Sie merken, ich habe nur Ärztinnen) zahle ich tatsächlich 70€, nur das ich meine Lippen öffnen darf.
Allerdings muss ich dazu sagen, bietet sie mir nach langjähriger Kundschaft auch Ratenzahlungen an.

Das funktioniert so.

Erst mal öffne ich meinen Mund. Meine Zahnärztin schaut interessiert hinein und ruft ihrer Assistentin allerlei Zahlen zu. Dann wird ein Kostenvoranschlag ausgedruckt. Hier kann ich entscheiden was für mich wichtig ist (hängt vom Geldbeutel ab).
Hier bietet meine Zahnärztin Ratenzahlungen an. Obwohl, sie hat mir letztens erzählt das sie diese Option nicht all ihrer Kunden/Patienten anbietet – denn sie möchte letztendlich ihr Geld.

Warum Versicherung?

Sie werden sich fragen, warum man eine Krankenversicherung bezahlt, wenn man nichts dafür bekommt. Nun, nichts ist nicht ganz richtig. Plan B beinhaltet die stationäre Behandlung in Krankenhäusern. Theoretisch könnten Sie auch Plan A kaufen, dass würde auch die ambulanten Behandlungen abgelten. Doch diesen Plan können sich nur die wenigsten leisten.

Nicht Versicherte

Etwa 35% der Bevölkerung verdient zu viel als das Sie sich für eine Medical Card qualifizieren würden und zu wenig als das sie sich eine private Krankenversicherung leisten könnten. Diese Menschen müssen ihre Arztkosten zu 100% selber tragen.
Im Falle schwerer anhaltender Krankheiten, können diese Menschen oder deren Ärzte einen Antrag auf eine Medical Card auf Kulanzbasis stellen. Hier wird jedoch strikt geprüft ob diese Patienten oder derer Angehörigen mindestens einen Teil der Arztkosten selber tragen können.

Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Sie möchten nicht krank geschrieben werden!
Als Selbständiger können Sie es sich nicht leisten krank geschrieben zu sein, denn Sie dürfen im Falle einer Krankschreibung tatsächlich nicht arbeiten.
Als Angestellter können Sie es sich in Irland auch nicht leisten, krank zu sein.
Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall hat man vor vielen Jahren abgeschafft. Irland ist nicht immer ein Sozialstaat.
Wie Sie in meinen Blogs erfahren werden, hat Irland manchmal fast sozialistische Züge, doch gleichzeitig auf anderer Seite eher unsoziale Gesetze und Verordnungen.

Irland ist, in vielen Aspekten, ein Land der Widersprüche.

Krank sein ist Verhandlungssache

Zu Zeiten des “Celtic Tigers/keltischen Tigers” hat man irischen Arbeitnehmern Krankheitstage eingeräumt. Das war Verhandlungssache. Heutzutage ist das undenkbar, außer Sie sind ein großer Fisch. Bei gehobenen Positionen ist auch heute noch alles denkbar.
Im heutigen Irland, bekommen Sie vom ersten Krankheitstag (ob mit oder ohne Attest) keinen müden Cent vom Arbeitgeber. Sollte Ihnen nach längerer Krankheit dass Ihnen ausgezahlte Gehalt nicht ausreichen, dann bekommen Sie unter Umständen vom Sozialamt eine Überbrückung. Diese Überbrückung müssen Sie mit Zinsen wieder zurückzahlen.

Entbindungen etc

Junge, Kinder gebärende Paare, haben keinerlei Kosten zu befürchten.
Vorsorgeuntersuchung, Vorbereitungskurse, die Entbindung, etc. wird vom Steuerzahler aufgefangen.
Es gibt sogar eine Gemeindeschwester, welche die neue Mutter aufsucht, dass Kind entkleidet und wiegt etc. Diese Gemeindeschwester steht der frischen Mutter so lange zur Seite, bis alles im Lot ist. Sie wird vom Steuerzahler finanziert.

 Super Ärzte

Irland verfügt über super Ärzte. Bestens ausgebildet, doch oftmals überarbeitet.
Es gibt in Irland auch sehr viele junge deutsche Ärzte. Diese jungen deutschen Ärzte schwärmen oft von ihren irischen Kollegen.
Deutsche Ärzte sind in der Regel nicht in Irland um die Welt zu retten, sondern um Auslandserfahrung zu sammeln und ganz besonders – um Geld zu verdienen.

Ärzte verdienen in Irland mehr Geld als ihre kontinental-europäische Kollegen.

Primitiv, aber gut

Deutsche Ärzte erzählen mir oft, dass sie in Irland richtig Hand anlegen müssen.
Geräte existieren entweder überhaupt nicht, oder es gibt sie, aber sie sind in nicht benutzbar. Manche der Geräte in irischen Krankenhäusern sind nicht nutzbar, weil die Wartungsverträge ausgelaufen sind und aufgrund dessen sie nicht bedient werden dürfen.

Daher ist es oft so, dass Patienten zwischen Krankenhäusern hin und her gekarrt werden um die verschiedenen Geräte zu nutzen.

Touristen geht es bestens

Als Tourist brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Die meisten Besucher sind über ihre Krankenkasse international abgesichert. Wenn Sie einen entsprechenden Nachweis haben, winkt der irische Arzt in den meisten Fällen dankend ab. Iren mögen keine Bürokratie. In den meisten Fällen werden Sie dann von den Ärzten Irlands bevorzugt behandelt – kostenlos.
Sollten Sie jedoch eine internationale Versicherung nicht nachweisen können, werden Sie in der Regel, genau wie ein Ire, zur Kasse gebeten.