Römisch-Katholischer Bauernstaat

Die römisch-katholische Konfession wurde in Irland über knapp 200 Jahre lang unterdrückt, stand zeitweise sogar unter Todesstrafe. Es gab Kopfgeldjäger welche Jagd auf katholische Priester machten, welche sich diesen Verboten widersetzten.

Als die Iren endlich ihre Freiheit hatten, gründeten sie einen römisch-katholischen Bauernstaat.
Jegliche Gesetze mussten der römisch-katholischen Kirche zur Absegnung vorgelegt werden, bevor sie in Kraft treten konnten.
Erst mit dem Beitritt in die damalige EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, heutige EU) trennte man Staat und Kirche fein säuberlich.

Politik der Erfurcht

Allerdings nur auf dem Papier. In den Köpfen der irischen Politiker, bestand dieser Zusammenhang nach wie vor und zwar bis in die 90er Jahre.
Verfassungsrechtlich war es zwar ab 1973 nicht mehr notwendig, der römisch-katholischen Kirche Gesetzesvorlagen zum absegnen vorzulegen – es wurde jedoch weiterhin bis in die 90er Jahre getan. Aus Erfurcht.

Homosexualität eine Straftatbestand

So war Homosexualität z. B. bis 1993 ein Straftatbestand. Scheiden lassen konnte man sich nicht bis Mitte der 90er Jahre. Eine Ehe konnte nur vom Vatikan anuliert werden, und dies ist nicht allzu oft geschehen.

Kondome vom Schwarzmarkt

Verhüterli konnten nicht offen auf dem freien Markt gehandelt werden. Ob Pille, Spirale oder Kondome – diese Produkte wurden zwar seit jeher in Irland hergestellt und in alle Welt exportiert, waren aber nicht für den irischen Markt verfügbar.

Kondome auf Antrag

Ab Anfang der 80er Jahre zeigte sich die katholische Kirche kompromissbereit. HIV/Aids machte es möglich. So konnte man als verheiratete Person bei der Familienplanungsklinik oder beim Hausarzt ein Kondom beantragen, welches man dann gegen eine hohen Bezahlung und größter Geheimhaltung in der Apotheke gegen ein Rezept einlösen konnte.
Der Schwarzmarkt blühte.

Zensur

Auch wurden hunderte von Büchern, Zeitschriften, Filme, Musikstücke etc. verboten. Bis heute sind in der Republik Irland noch 274 Veröffentlichungen verboten und somit für den Konsumenten nicht greifbar.

Die Kirche hat in Irland heute bei weitem nicht mehr den gesellschaftlichen Stand wie noch vor 15 Jahren. Nichts desto trotz hat die katholische Kirche einen Stellenwert in der Republik Irland, wie sonst kaum in Europa.

Katholizismus eine Tradition

Dies hat auch heute noch damit zu tun, dass sich die Iren sehr bewusst darüber sind, dass ihre Vorfahren ihr Leben gelassen haben, um ihren Glauben auszuleben.
Als irischer Katholik wurde man in eine Tradition geboren. Auch in Irland, zeigen sich ganz besonders jüngere Menschen, zeitweise nicht in ihren Kirchen. Dies ist allerdings in der Regel eine vorübergehende Erscheinung. Irgendwann gehen die meisten Menschen doch wieder in die Kirche. Es gibt auch heute noch Regionen, wo bis zu 80% der Bevölkerung regelmäßig die Messe aufsucht.
Die Iren sind nun mal ein Versammlungsvolk. Ob im Pub, auf dem Sportplatz, der Pferde- oder Hunderennstrecke, im Kino oder in der Kirche. Man trifft sich gerne. In die Kirche zu gehen hat mehr, als “nur” religiöse Hintergründe. Es ist das soziale Netz. Man kennt einander und kümmert sich um einander.

Keine Kirchensteuern

In der Republik Irland gibt es keine Kirchensteuern. Die Kirchen müssen sich zu 100% selber finanzieren. Auch das ist ein Grund für die vollen Kirchen. Wenn niemand in die Kirche geht, dann gibt es keine Kollekte. Von der Kollekte wird nicht nur die Kirche und sonstigen Gebäude in Stand gehalten, sondern auch das Gehalt des Priesters bezahlt.
Die Gemeindepfarrer Irlands stehen mit ihren Schäfchen ständig im Kontakt. Dazu benutzen sie modernste Technik. Facebook, Skype, WhatsApp etc. sind keine Fremdwörter für die irischen Geistlichen, sondern wichtige Werkzeuge, womit sie mit ihren Gemeindemitgliedern ständig im Kontakt stehen.

Die Iren stehen zu ihrer Religion

Über 84% der Iren bekennen sich der römisch-katholischen Konfession. Kirchenaustritte kennt man in Irland nicht. Man geht einfach nicht mehr hin, um ein Zeichen zu setzen.
Die Gefolgschaft einer Konfession, oder Religion, wird durch die Volkszählung festgestellt, welche alle fünf Jahre stattfindet. In diesen mehrseitigen Formularen, kreuzen die Bürger Irlands ganz freiwillig an welcher Konfession oder Religion sie sich hingezogen fühlen. Sie könnten “religionslos”, oder auch einfach gar nichts ankreuzen. Aber nein, ganz bewusst haben die Bürger Irlands folgende Angaben, im Bezug auf Religion, gemacht:

Römisch-Katholisch  84,2%
Protestantisch  2,9%
Moslems  1,2%
Religionslos 2,2%
Der Rest ignorierte die Frage

Zu den Protestanten gehören Church of Ireland (Anglikaner), Baptisten, Methodisten, Lutheraner, Presbyterianer etc. Die lutherische Kirche in Irland hat etwa 0,02% Gefolgschaft. Die einzige lutherische Kirche in Irland ist in Dublin.
Die Moslems erfreuen sich dem größten Zuwachs. Zwischen 2006 und 2011 ist ihre Gefolgschaft um über 50% gestiegen.
Die römisch-katholische Kirche verzeichnet mit 84,2% Gefolgschaft den niedrigsten prozentualen Anteil der  Bevölkerung  seit 1881. Jedoch mit über 3,8 Mio. Menschen, die größte Glaubenskongregation seit 1881. Das liegt mitunter daran das wir in Irland über die vergangenen 15 Jahre einen 30 – 35%igen Bevölkerungszuwachs verzeichnet haben.

Nationalflagge mit religiösem Hintergrund

Sogar die Trikolore der Iren hat einen religiösen Hintergrund. Mitte des 19. Jahrhunderts entworfen, soll das Grün die alteingesessene Mehrheit der Katholiken zum Ausdruck bringen. Das Orange steht für die neu angesiedelte Minderheit der Protestanten, wobei das Weiß zwischen diesen beiden Volksgruppen den ewigen Frieden zum Ausdruck bringen soll.

Jedes Alter geht in die Kirche

Religion spielt, im täglichen Leben vieler Iren, auch heute noch eine große Rolle.
Mit etwa 35,5 Jahren, hat die irische Bevölkerung das niedrigste Durchschnittsalter der EU. Das Durchschnittsalter des irischen Kirchgängers liegt bei etwas über 36. Somit liegt auf der Hand, dass Religion nicht die Angelegenheit der älteren Generationen ist. Ganz besonders die römisch-katholische Kirche ist eine regelrechte Gesellschaftsform in der Republik Irland und das trotz der gewaltigen Skandale, die die irische Nation seit vielen Jahren schütteln und rütteln.

Die Skandale werde ich noch in gesonderter Form ansprechen.