Der irische Bürgerkrieg war die Konsequenz der Anglo-Irish Treaty (Anglo Irischer Vertrag), welcher wiederum als Folge des irischen Unabhängigkeitskrieges unterzeichnet wurde und zur Gründung des irischen Freistaates führte.

Pro und Anti IRA

Die Kämpfe fanden zwischen zwei nationalistischen Gruppierungen statt. Auf der einen Seite kämpften die Republikaner, die die Irish-Anglo Treaty als Verrat an der irischen Republik sahen und auf der anderen Seite kämpften die Befürworter der Anglo-Irish Treaty, welche glaubten das der Freistaat letztendlich auch zur Republik und somit zur Freiheit Irlands führen würde.

Im Endeffekt waren die beiden Seiten (pro und anti Treaty) von der einen und gleichen IRA, welche zuvor im Unabhängigkeitskrieg Schulter an Schulter gegen die Briten kämpften.
Mit der Unterzeichnung der Anglo-Irish Treaty haben sich diese Menschen dann untereinander zerstritten.

Unterschriften des Anglo-Irischen Vertrages

Unterschriften des Anglo-Irischen Vertrages

Kameraden die vor kurzem sich noch gegenseitig geschützt hatten, sollten bald aufeinander schießen. Manchmal waren sogar verschiedene Mitglieder einer Familie in sich gegenüber liegenden Einheiten vertreten. So passierte es das Väter auf Söhne, Brüder auf Brüder etc. schossen.

Der irische Bürgerkrieg ist für viele Iren auch heute noch der vielleicht schwierigste Abschnitt ihrer jüngsten Geschichte.

Das Problem für die Republikaner unter den irischen Nationalisten war die Auflösung, der in 1919 ausgerufenen Republik und der damit verbundenen Auflösung des irischen Parlaments.

Freistaat eine Mogelpackung

Ferner war auch die Tatsache, dass die Abgeordneten des neuen Freistaates einen Eid auf das englische Königshaus ablegen mussten und das die Briten weiterhin militärische Stützpunkte im Süden Irlands beibehalten würden.
Die wichtigsten politischen Entscheidungen würden weiterhin von den Briten getroffen werden. Somit war der Freistaat für die meisten republikanischen Nationalisten eine Mogelpackung.
Sie bestanden auf eine freie Republik, mit keinerlei Bezug zum Vereinigten Königreich.
Ein weiteres großes Problem sollte auch die endgültige Teilung der Insel Irlands sein.

Britische Unterstützung

Die pro Treaty Einheiten wurden von den Briten unterstützt. Ob Waffen, Munition, Geld, Uniformen, Fahrzeuge, Flugzeuge, Logistik etc, es fehlte den Freistaats-Truppen an nichts.
Im August 1922 zählten die pro Treaty Einheiten 14.000 Männer. Zum Ende des Jahres 1922 waren es bereits 38.000 kampfwillige und zum Ende des Konflikts zählte die Freistaatsarmee sage und schreibe 55.000 Soldaten und 3.500 Offiziere. Viel mehr als die Freistaatsarmee nach dem Bürgerkrieg zu Friedenszeiten benötigen würde.

Die anti Treaty Armee, zählte bis zu 15.000 Soldaten. Viele von denen waren gar nicht bewaffnet und wenn doch, dann  oftmals mit Schrotflinten oder veralteten Faustfeuerwaffen. Die anti Treaty Einheiten verfügten über ein paar wenige, von den Briten gestohlene, befestigte Fahrzeuge.
Ferner verfügten die anti Treaty Soldaten über eine mangelhafte Befehlsstruktur und unklaren Strategie. So befanden sich diese Kämpfer für den größten Teil des Konflikts in einer Defensivposition.

Flucht und Vertreibung der Protestanten

Während des Unabhängigkeitskrieges und des Bürgerkrieges kam es auch vermehrt zu Übergriffe auf Protestanten. Es kam ferner zu einem flächendeckenden  Abbrennen von sogenannten “big Houses” – Herrenhäusern. Ein Symbol der Unterdrückung. Ganz besonders zum Ende des Unabhängigkeitskrieges und während des Bürgerkrieges haben viele Protestanten den Süden Irlands verlassen und sind entweder auf das britische Festland oder nach Nordirland umgesiedelt.

Äußerst Blutig

Obwohl der Bürgerkrieg recht kurz war, war er extrem blutig. Viele namhafte Persönlichkeiten haben während des Konflikts ihr Leben gelassen.
Die anti Treaty Einheiten ermordeten Parlamentsabgeordnete und zerstörten historisch wertvolle Gebäude. Truppen des Freistaates richtete massenhaft Kriegsgefangene der anti Treaty Einheiten hin. Offiziell und inoffiziell.

Bis heute sind die tatsächlichen Opfer zahlenmäßig noch nicht offiziell bekannt. Die Freistaatler haben wahrscheinlich zwischen 540 und 800 Kämpfer verloren. Bei der Gegenseite geht man von mindestens 1.000 bis hin zu 4.000 Opfern aus.

Wirtschaftlicher Schaden

Die Kosten des Krieges sollen sich bis zum Ende des Konflikts auf £50 Mio. belaufen haben. Das war damals (wie auch heute) äußerst viel Geld. Ganz besonders für einen jungen Staat, wie es der irische Freistaat seinerzeit war.
Viel der Infrastruktur, wie Brücken, Straßen und Eisenbahnabschnitte wurden damals in Mitleidenschaft gezogen.
Auch wurden administrative Gebäude zerstört oder stark beschädigt.
Nach dem Krieg hatte Irland ein Budget Defizit von £4 und konnte seine Imperial-Schulden an Großbritannien nicht bezahlen, womit sie den Anglo Irischen Vertrag verletzten.
Das führte dazu das der irische Freistaat bei den Verhandlungen des Grenzverlaufs von Nordirland auf gewisse Flächen verzichtete um im Gegenzug einen Schuldenerlass von den Briten zu erhalten.

Die politische Landschaft wird sogar noch bis heute, indirekt durch die verschiedenen Lager des Bürgerkriegs geprägt.