Wahrscheinlich der bedeutendste Tag der modernen irischen Geschichte. Zumindest in der Psyche der Iren.

Hintergrund

Mit dem Act of Union im Jahre 1801 verloren die Iren auch das letzte Stückchen Eigenständigkeit. Politisch wurden sie zum Bestandteil des neu gegründeten Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Irland. Irische Politiker hatten einen Sitz in Westminster.

Irische Nationalisten und Republikaner lehnten dies ab. Sie wollten ein eigenes Parlament, besetzt durch demokratisch gewählte Vertreter des irischen Volkes.
Gegner des Vereinigten Königreiches sahen die politische Bevormundung, durch das Vereinigte Königreich, als Strategie der Ausbeutung Irlands. Dies würde dazu führen das die Iren in Armut leben müssten. Das hatte sich Mitte des 19. Jahrhunderts mit der großen Hungersnot auch bestätigt.

verwahrloste Kinder

Die Iren lebten in beängstigender Armut

Die Opposition Irlands, gegen die Bevormundung und Ausbeutung Englands, nahm verschiedene Formen an. Es gab politische Organisationen, welche versuchten auf friedlichen Weg eine Unabhängigkeit, oder zumindest eine Selbstverwaltung, zu erreichen und es gab Bewegungen, die bereit waren zur Waffe zu greifen.
Dieser Drang zur Eigenständigkeit wurde mit dem Überbegriff Sinn Féin (wir selbst) versehen.

Para-Militärs

1912 wurde wieder (zum dritten mal) eine Selbstverwaltung Irlands im britischen Unterhaus ins Auge gefasst.
Die Unionisten Irlands (hauptsächlich protestantisch) sahen die potentielle Selbstregierung Irlands als drohende römisch-katholisch dominierende, von Dublin ausgehende, Regierung.
Um dem entgegenzuwirken, gründeten die Unionisten (Nordirland werde ich noch gesondert behandeln) die “Irish Volunteers”, eine  paramilitärische Organisation.

Im Gegenzug gründeten die Nationalisten (hauptsächlich Katholiken) die “Irish Brotherhood (IRB), der Vorläufer der IRA – auch eine paramilitärische Organisation.
Zeitgleich erlebte Irland den größten Arbeitskampf in der Geschichte Irlands und vielleicht sogar der britischen Inseln.
Der “Dublin Lockout”. Dieser Arbeitskampf betraf etwa 20.000 Arbeiter und 300 Arbeitgeber. Die 20.000 Arbeiter wurden ausgeschlossen.

Bewaffnete Untergrundarmee

Para-Militärs wurden formiert

1. Weltkrieg

Zu Beginn des 1. Weltkrieges lockten die Briten irische Männer in die britische Armee. Sie versprachen den Iren ihre Freiheit, nach dem Krieg.
Über 50.000 Iren folgten dem Ruf des englischen Königs und kauerten in den Schützengräben der Briten.
Es waren die Iren, die in erster Linie die Opfer der deutschen Senfgasangriffe waren.

Irische Soldaten im Schützengraben

50.000 Iren kämpften an der Seite der Briten

Es gab auch deutsche Versuche, Iren als Söldner zu engagieren. Sie im Kampf gegen den “gemeinsamen Feind” einzusetzen.

Von den sozialistischen Seiten des irischen Untergrunds gab es eine Kampagne “Neither for King nor Kaiser” (weder für König, noch für Kaiser). Der Otto-Normal-Ire wollten sich aus diesem Konflikt heraushalten.
Die Briten, sowie die Nationalisten Irlands versuchten den 1. Weltkrieg für ihre Ideologien zu nutzen.

Deutsche Hilfe für den irischen Untergrund

Auf der einen Seite kauerten Iren in den Schützengräben der Engländer und auf der anderen Seite machen sich irische Untergrundkämpfer auf nach Berlin, um Deutschland um Unterstützung in Form von Waffen, zu bitten.

Porträt von Roger Casement

Sir Roger Casement reiste nach Berlin um deutsche Waffen zu bekommen

Im Jahre 1916 sollte es zu einer letzten Waffenlieferung aus Deutschland kommen. Ein von den Briten konfiszierter Frachter, verließ Lübeck. Zur Tarnung fuhr der Frachter unter norwegischer Flagge. An Bord – 22.000 Gewehre, 1 Mio. Schuss Munition, schwere Geschütze. Unter der Führung von Kapitän Karl Spindler.

Model des deutschen Frachters

Model der SS Aud (Libau) – ausgestellt im Public Museum von Cork

Aus Sicherheitsgründen konnten sie nicht die direkte Route durch den Ärmelkanal nehmen. Sie entschieden sich, entlang der dänischen, norwegischen und schottischen Küste, südlich von Island, entlang der Westküste von Irland zu fahren.

Streckenzeichnung

Strecke des Frachters – durch die englische Blockade

Landung schlägt fehl

Am Gründonnerstag im Jahre 1916 fuhr der Frachter in der Bucht von Tralee, im Südwesten Irlands ein.
Ein deutsches U-Boot, welches das Schiff begleitete machte sich auf den Rückweg nach Deutschland.
Der irische Lotse, welcher für die Koordination der Warenannahme zuständig war, sah den Frachter zwar vor Anker liegen – konnte ihn aber nicht dieser erwarteten Lieferung zuordnen. Er wartete auf einen Deutschen und nicht auf einen Norweger. Außerdem war der Frachter viel größer als was er erwartete. Also ignorierte er das Schiff.

Das brachte die Briten auf den Plan. Sie kontrollierten den Kahn. Dabei stießen sie auf die Waffen.
Sie nahmen das Schiff ins Schlepptau und schleppten ihn in den Hafen von Cork.
Kapitän hatte einen ganz klaren Befehl. Sollte er in Kriegsgefangenschaft geraten, hieß es den Kahn, samt Ladung, zu versenken.
Er wartete auf den richtigen Moment. Als sie in die Hafeneinfahrt von Cork einfuhren sprengte er das Schiff in die Luft. Die Mannschaft und der Kapitän konnten sich retten.

Deutsches U-Boot mit Besatzung

Deutsches U-Boot – 1. Weltkrieg

Kapitän Spindler hat ein spannendes Buch über diese abenteuerliche Fahrt geschrieben. Das Buch heißt “Das geheimnisvolle Schiff”.

Der Aufstand

Wie bereits gesagt, gab es verschiedene Organisationen, die auf unterschiedliche Weise ein freies Irland erringen wollten.
Es gab Bewegungen, welche jegliche Gewalt ablehnten und die, die bereit waren zur Waffe zu greifen, waren sich auch nicht wirklich über die Vorgehensweise einig.
Die Tatsache das nun diese, doch nicht unwesentliche, Waffenlieferung ausblieb, vereinfachte die Sache nicht unbedingt.

Es kam zu einem halbherzigen Aufstand. In ganz Irland, aber ganz besonders in Dublin, wurden “strategisch wichtige Punkte” besetzt. Das Hauptpostamt auf der heutigen O’Connell Street (damals Sackville Street) wurde zum Hauptquartier.

 

Die Iren waren schlecht bewaffnet und kämpferisch unerfahren. Sie hatten keine richtige Struktur in ihren kampfwilligen Reihen. Von einer Armee konnte nicht wirklich die Rede sein.
Die Briten schafften es den Aufstand innerhalb von fünf Tagen blutig zu ersticken.

Die meisten der Rädelsführer wurden über einen Zeitraum von etwa vierzehn Tagen hingerichtet.
Die Vorgehensweise der Briten war äußerst brutal.
Die Verantwortlichen des Aufstandes hatten nicht wirklich die Mehrheit des Volkes hinter sich. Viele Familien hatten Jungs in den Schützengräben an der Front. Sie kämpften gegen die Deutschen. Die Senfgasangriffe der Deutschen, welche in erster Linie das Kanonenfutter der Briten traf, sprich die Iren, rückte die Deutschen nicht unbedingt in ein gutes Licht.
Die Tatsache das die Aufständischen sich die Deutschen als Verbündeten suchten, traf nicht auf Gegenliebe.
Doch die Vorgehensweise der Briten nach dem “missglückten” Aufstand sollte die Aufständischen zu Martyrern werden lassen.
Immer mehr Iren fühlten sich diesen Martyrern hingezogen.

Irland wurde unregierbar.