1 Mio. – 1,5 Mio Tote

Seit dem “Act of Union” im Jahre 1801 verkam Irland komplett.
Der englische Adel und die englischen, oder anglo-irischen, Großgrundbesitzer, in der Regel Anglikaner, zogen sich nach Großbritannien zurück.
Die Katholiken Irlands, die über keinerlei Eigentum verfügen durften mussten für die abwesenden Landeigentümer die Ländereien bewirtschaften.

Die  verschiedenen Flaggen des Vereinigten Königrieiches

Zusammensetzung der Flagge des Vereinigten Königreiches nach dem Act of Union

Die enormen Pachtzinsen wurden durch Mittelmänner eingetrieben. Diese Mittelmänner nutzten ihre Position schamlos aus.
Die Iren lebten in einer Armut wie man sonst nirgends in Europa kannte.

Grundnahrungsmittel Kartoffel

Oft lebten sie in schlecht gezimmerten Holzhütten, oder noch einfacheren Lehmhütten. Nicht selten hatten sie keine Betten oder gar Decken. Gekleidet waren sie in Lumpen. Schuhe waren Luxus.
Ernährungstechnisch  wurden sie auf die Kartoffel reduziert. Vielleicht noch ein bisschen Milch oder Hafer, aber das wäre etwas ganz besonderes.
Alle anderen landwirtschaftlichen Erzeugnisse mussten als Pachtzins abgeführt werden.

Jährliche Pachtverträge

Die Pachtverträge wurden jährlich verlängert, oder auch nicht.
Die Mittelmänner pachteten großflächige Ländereien von den abwesenden Großgrundbesitzern und verpachteten dann kleine Parzellen an die Iren. Es gab keinerlei Richtlinien an welche sich die Mittelmänner halten mussten. Wenn ein Ire das Land veredelt oder optimierte, dann wurde der Aufwand in der Regel nicht kompensiert, daher wurden Ländereien in der Regel nicht veredelt .

In der nördlichen Provinz Ulster gab es “Tenants Rights”.
Das heißt, das jegliche Optimierungen  oder Veredelungen der Ländereien,  die von den Iren durchgeführt wurden, von den Landeigentümern kompensiert wurden.
Daher ging es den Pacht-Farmern Ulsters wesentlich besser und sie hatten bessere Ländereien die sie bewirtschaften konnten.

Täglicher Kampf ums Überleben

Die Durchschnittsgröße landwirtschaftlicher Flächen, welche von Iren gepachtet und bewirtschaftet wurde betrug:

24% der Höfe 0,2 – 4 Hektar
40% der Höfe 2 – 6 Hektar

Die Flächen waren so klein und die Pachtzinsen so hoch, dass die Iren sich und ihre Familien nicht mehr ernähren konnten.
Da die Kartoffel die einzige Feldfrucht war die auf diesen kleinen Flächen einen einigermaßen nennenswerten Ertrag versprach, wurde Irland in ein  System der Monokultur katapultiert.
Darüber hinaus, wurde nur eine Kartoffelsorte angebaut. Die “Irish Lumper” Kartoffel.

Pilz befallene Kartoffel

Vom Pilz befallene Irish Lumper Kartoffel

Kartoffelfäule

Die Tatsache das die Kartoffel oftmals das einzige Nahrungsmittel war welches ihnen zur Verfügung stand und Tatsache das tatsächlich nur diese eine Kartoffel Variante angebaut wurde, führte zu den verheerenden Folgen durch die Verbreitung der Kartoffelfäule Phytophthora infestans. Ein Eipilz.
Dieser Pilz verbreitete sich auch auf dem europäischen Festland, hatte dort aber, aufgrund der spezifischen Gegebenheiten in Irland, nicht so verheerende Folgen.

Das ungeheuerliche ist, dass während der großen Hungersnot, in Irland, sehr viele Nahrungsmittel erzeugt wurden – diese jedoch unter bewaffneten Geleit außer Landes geschafft wurde.

Es gab Nahrung und Güter im Überfluß

Allein im Jahre 1847, als 400.000 irische Männer, Frauen und Kinder verhungerten, oder an Krankheiten verstarben die durch die Hungersnot hervorgerufen wurden, haben 4.000 Schiffe irische Häfen in Richtung Bristol, Glasgow, Liverpool und London verlassen.
Skandalös ist auch das der Export von Kälbern, Speck und Schinken, während der Zeit der Hungersnot, tatsächlich zugenommen hat.
Des weiteren wurden Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Kaninchen, Lachse, Austern, Heringe, Schmalz, Honig, Zungen, Tierhäute, Felle, Schuhe, Seife, Klebstoff und Saatgut exportiert.

Ferner wurden auch 3.739.980 Liter Butter von Irland nach England exportiert und das während der ersten neun Monate von 1847, dem schlimmsten Jahr der großen Hungersnot.

Das Problem in Irland während der Hungersnot war nicht, dass es keine Lebensmittel gab. Das Problem war, dass die vorhandenen Lebensmittel für die Hungernden nicht verfügbar gemacht wurden.

In 7 Jahren starben zwischen 1 und 1,5 Mio. Menschen

Die genaue Zahl, die zwischen 1845 und 1852 umkam ist nicht gewiss, da im Gegensatz zu den Exporten der Lebensmittel, kein Buch geführt wurde.
Es steht fest das es mindestens 1 Mio Menschen waren, es kann aber auch bis zu 1,5 Mio. Menschen umgekommen sein.
Die Zahlen basieren auf Berichten von Überlebenden, die über Familienmitglieder berichteten, die die Zeit nicht überlebt haben.
Hier müssen wir bedenken, dass in vielen Fällen ganze Familien ausgerottet wurden und es niemand geben konnte der über das Schicksal der Familie erzählen konnte.

Grabstein aus Zeiten der Hungersnot

Massengrab in Kenmare aus Zeiten der Hungersnot

Krankheit oder Hunger

Todesursache Nummer eins, war nicht unbedingt der Hunger, sondern eine der endlos vielen Krankheiten, die im Land wüteten.
Die häufigsten Krankheiten waren Fieber, Durchfall, Cholera, Pocken und Grippe.

Flucht in die neue Welt

Etwa 1 Mio. Menschen gelang es die Insel zu verlassen. Schon damals hatten viele Iren Verwandte in Amerika und manche dieser Verwandten finanzierten eine Bootsüberfahrt.
Auch einige der Verpächter, sorgten dafür das ihre Pächter das Land verlassen konnten.
Das Ziel war in der Regel die neue Welt. Amerika oder Kanada.
Die Überfahrt geschah auf sogenannten “schwimmenden Särgen”. Es steht heute fest, dass viele Auswanderer nicht lebendig in der neuen Welt ankamen, da häufig  Krankheiten mit an Bord geschleppt wurden.
Sollten Sie die Überfahrt überleben, dann wurden Sie in Quarantäne gesteckt und sollten Sie diese auch überleben, dann wurden Sie unter Umständen im Kampf gegen die Indianer als Kanonenfutter an der vordersten Front eingesetzt.
Als Ire waren Sie nichts wert. Sie waren weniger Wert als ein Schwarzer, denn den konnte man ja noch verkaufen.

Schiff mit Skeletten

Ein Schwimmender Sarg

Traumatisiertes Volk

Irland sollte sich von den Folgen dieses Traumas nie wieder erholen.
Irland hat heute noch eine niedrigere Bevölkerungszahl als vor der Hungersnot.

Dieses Ereignis hat die Psyche der Nation zutiefst getroffen.