Tag 5: Cork City

Dieser Tag sollte zu einem reinen Desaster werden.
Es regnete Sintflutartig.
Also ich nach Cork kam, waren alle Plätze die ich so im Sinn hatte bereits von “Kollegen” eingenommen. Ich musste sicherstellen das ich vom Regen geschützt war, sonst würde ich mir eine Lungenentzündung zulegen.
Alle guten Plätze waren also belegt, mir ist bisher nie aufgefallen wie viele Bettler es doch in dieser Stadt gab.
Alle anderen Plätze wo ich mich hätte platzieren können, waren entweder im Eingangsbereich von Läden und die wollte ich wirklich nicht benutzen. Ich schätze, wenn ich ein richtiger Bettler gewesen wäre hätte ich keine Rücksicht auf die Ladenbesitzer genommen.
Ich entschied mich zu guter Letzt mich auf den Merchants Quay zu setzen, mit Blick auf den Fluss Lee.

Ich saß mit dem Rücken zur Hauswand und über mir war ein großer Dachvorsprung vom Merchants Quay Einkaufszentrum. Es regnete heftig und der Regen schaffte es immernoch mich seitlich zu treffen, allerdings konnte ich damit leben. Es war nicht allzu schlimm.
Die Straße war recht belebt, da es eine der Hauptverkehrswege von Passanten war, die mit dem Bus aus dem Umland nach Cork kamen. Die meisten liefen genau an mir vorbei um in das Stadtzentrum zu gelangen. Nach den Erfahrungen vom Mittwoch, die ich auf McCurtain Street machte, versprach ich mir eine ganze Menge von diesem Stützpunkt.

Die meisten Menschen, dass wenigste Geld

Nun, ich sollte mich täuschen. Es war soweit der schlechteste Spot wo ich sitzen konnte. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bevor auch nur etwas Geld in meiner kleinen Keksdose lag.
Nach ca. einer Stunde ließ der Regen etwas nach. Ich zog um die Ecke, wo noch mehr Fußgängerbetrieb herrschte.
Ich saß dort nicht allzu lange, als auf einmal ein Wolkenbruch herunter kam. Die Leute rannten in die Läden und ich saß da, durchnäßt bis auf die Knochen.
Das hat mir gereicht. Ich war jetzt seit fünf Tagen unterwegs und bettelte an fünf verschiedenen Orten. Ich habe mir ein ziemlich gutes Bild davon gemacht, wie die Menschen auf einen Bettler reagieren und ganz wichtig, was man so einnehmen kann. Das Ziel meines Projektes war erreicht. An diesem letzten Tag sollte ich nur knapp über dem irischen Mindeststundenlohnes liegen. In 1 Stunde und 38 Minuten nahm ich 11,88 Euro ein, welches 7,27 Euro in der Stunde entsprach.

In den fünf Tagen lernte ich, dass die Iren ein Herz aus Gold hatten.

Ich konnte richtig erkennen wie es manchen Menschen richtig gut ging, wenn sie mir etwas Geld zukommen ließen.
Auf der anderen Seite fielen mir natürlich auch Leute auf, die bei meinem Anblick einen Schritt zulegten und so taten als würden sie mich nicht sehen.
Ja, manche Leute schienen auch verärgert zu sein, andere wiederum, besonders in ländlichen Gebieten, schauten ungläubig und schüttelten ihren Kopf beim vorbeigehen.
Wieder andere blickten eher unsicher, verängstigt und oft auch traurig, wenn nicht zumindest nachdenklich. Besonders bei Schülern bekam ich diesen Eindruck.
Es war nicht einfach für mich, mich hinzusetzen und nach Geld zu betteln, besonders dann, wenn nicht viel Geld hereinkam.

Der Standort ist ausschlaggebend

Stolz war ein Wort, welches aus meinem Wortschatz verschwand, aber sehr schnell wieder Einzug hielt, als ich auf McCurtain Street saß und in kürzester Zeit ein “Vermögen” einnahm. 
McCurtain Street hat mir klar gemacht das es um eine Menge Geld gehen kann, wenn man sich den richtigen Platz aussucht, genau wie in jedem anderen “Geschäft”, der Standort ist das A und O wenn man mit Laufkundschaft erfolgreich sein möchte.

Die wirkliche Frage, die für mich auch nach Beendigung dieses Projektes noch unbeantwortet bleibt ist, ob wir den Menschen da draußen mit Geld wirklich helfen.
Eines steht fest, die meisten Leute die in unseren Straßen betteln brauchen tatsächlich in irgend einer Form Hilfe–aber ist Geld die Antwort?

Andere Teile dieses Projekts können Sie hier nachlesen:

Vorstellung des Projekts
Tag 1 und 2
Tag 3 und 4