Tag 3: Mallow, Co. Cork

Der heutige Plan beinhaltete in Mallow zu betteln. Ich hörte die Wettervorhersage von Lokalradio 96FM, und demnach sollte das regnerische Wetter zur Mittagszeit besser werden.

Es war ca. 11 Uhr, als ich mich Richtung Mallow aufmachte.
Mallow hatte ich bereits mit dem Rollstuhlprojekt besucht, allerdings sah ich den Ort damals aus einem ganz anderem Blickwinkel.

Als ich in Mallow ankam, musste ich feststellen das das Wetter viel schlimmer war als in Cork.
Es goß nicht nur, sondern orkanartiger Wind fegte durch den Ort. Ich schaute mich um und ich konnte keinen auch nur annähernd geschützten Ort finden wo ich mich hätte hinsetzen können.
Ich entschied mich das Auto zu parken und mich dann wo auch immer hinzusetzen, immer noch in der Hoffnung, daß das Wetter sich verbessern würde. Ich fuhr in den Tesco Supermarkt Parkplatz und machte den Motor aus. Ich saß dort und wartete noch ein kleines Weilchen.

Orkanartige Winde

Während ich dort saß spürte ich wie das Auto unter der Gewalt des Windes hin und her schüttelte. Der Wind war unglaublich stark. NEIN, hier würde ich nicht bleiben! Wie sehr ich auch in Mallow betteln wollte, dies hatte kein Sinn. Bettler haben nun mal nicht immer die Wahl. Ich entschied mich kurzfristig den Plan zu ändern und nach Cork City zu fahren.
Meinem Überlegung war, daß falls das Wetter in Cork so schlecht sein würde wie in Mallow, dann hätte ich zumindestens die Möglichkeit auf eines der zahlreichen Einkaufszentren auszuweichen. In Mallow jedoch, müsste ich mich mit dem Wetter abfinden.

Cork City

Ich parkte in einem Parkhaus in der Stadt und als ich aus dem Parkhaus ins Freie kam, stellte ich fest das das Wetter bei weitem nicht so schlimm war wie in Mallow. Okay, es regnete ein bißchen, aber damit konnte ich leben. Ich entschied mich nicht in der Stadtmitte zu betteln, da dies mein Territorium für Freitag sein sollte. Stattdessen machte ich mich Richtung McCurtain Street auf, welche eine Straße außerhalb des Stadtkerns ist. Die Straße ist voller Imbisse, Restaurants, Taxiunternehmen und eine Menge Büros.
Als ich mich platzierte war es 12:38 Uhr. Das Wetter wurde etwas schlechter, doch jetzt wo ich hier saß, entschied ich mich auch hier zu bleiben, außer das mich vielleicht das Gesetz vertreiben sollte.

Ach wie großzügig

Auch wenn die Menschen aufgrund der Witterungsverhältnisse schneller als gewöhnlich unterwegs waren und unter Anderem sehr damit beschäftigt waren ihre Regenschirme festzuhalten, fanden sie Zeit nicht nur anzuhalten um mir Geld zu geben, sondern sie waren auch noch äußerst großzügig. 1 und 2 Euromünzen und sogar 5 Euro Scheine flogen nur so in meine Richtung.
Was ich hier erleben sollte war unvorstellbar.
Ein Auto hielt vor mir mitten auf der Straße an, der Beifahrer stieg aus, gab mir Geld und stieg wieder ein.

In 2 Stunden und 21 Minuten machte ich 62,66 Euro, daßss ergibt 26,66 Euro in der Stunde!!!

Morgen geht es nach Bantry, ich bin jetzt schon gespannt.

Tag 4: Bantry

Auch heute sah das Wetter nicht allzu vielversprechend aus, als ich Midleton verließ, doch um so mehr ich mich Bantry näherte, desto heller und freundlicher wurde der Himmel.
Ich kam in Bantry ein wenig später als erwartet an. Um 11:15 Uhr parkte ich das Auto und bereitete mich auf ein neues Abenteuer vor.
Nachdem ich mir kurz die Lokalitäten angeschaut hatte entschied ich mich ein paar Meter von einem Supermarkt im Ortskern niederzulassen. Ich hatte gelernt das es nicht viel Sinn machte vor Läden zu sitzen, da es nicht verkaufsfördernd für die Ladenbesitzer war und es keinen Sinn ergab Feinde zu machen.

Ich saß wieder mal mitten auf der Hauptstraße, es gab kaum ein Ausweichen, die Leute mussten an mir vorbei.

Hat mich keiner lieb?

Es war noch sehr ruhig im Ort. Ich war überrascht wie wenig Aufmerksamkeit ich von den Passanten geschenkt bekam.
Zuerst dachte ich, daß ich Bantry total falsch eingeschätzt hatte und das die Leute sich einfach dazu entschieden mich zu ignorieren. Doch eine ältere Dame machte den Anfang und schon rollte der Euro. Sie stoppte, grub einen Euro aus ihrer Handtasche und warf ihn in meine kleine Keksdose.
Der nächste Euro war direkt hinter ihr.
Okay, der Anfang war gemacht. Es sollte sich nicht zu so einem Bettelfest entwickeln wie ich es zuvor in Cork City erlebt hatte, doch waren es die zweithöchsten Stundeneinnahmen die ich während dieses Projektes erzielte.

Suchst Du Arbeit?

Eine Frau hielt inne und fragte mich ob ich einen Job bräuchte. Gartenarbeit hatte sie im Angebot. Ich wusste bereits das meine heutigen Einnahmen bei mehr als 12 Euro pro Stunde lagen und ich war mit Sicherheit nicht bereit für irgendetwas zu tauschen, was mir weniger Geld bringen würde. Besonders wenn ich mir dabei noch die Hände dreckig machen müsste.

Ich fragte sie “was zahlst Du?”
“10 Euro die Stunde” erwiderte sie.
“Unter 12 Euro die Stunde arbeite ich nicht” erklärte ich.
Dazu muss ich sagen das das weit höher als der damalige Mindestlohn war.

Trotzdem freute ich mich natürlich aus Gründen der Recherche das jemand kam und mir einen Job anbot.

Helfen wir Bettlern mit Geldspenden?

Ich fragte mich, ob es überhaupt richtig ist Geld an Bettler zu geben. Hilft man einem Bettler überhaupt mit einer Geldspende, oder unterstützt man eine Lebensweise?
Ich hatte genug Zeit darüber nachzudenken und kam für mich zu dem Entschluß das Hilfe wohl eher darin bestünde jemanden zu helfen eine schlechte Situation zu ändern und nicht aufrecht zu erhalten.

Eine weitere Dame kam auf mich zu und fragte
“Für wen sammelst du das Geld?”
“Für mich selber” antwortete ich kess.
“Wieso, was stimmt mit dir nicht? Bist du krank? Fragte sie.
“Nö, mir gehts gut, mir fehlt gar nichts” erwiderte ich.
“Willst du eine Farm kaufen?” fragte sie weiter und ich wurde noch ein wenig dreister und sagte
“Nein, ich spare für einen Urlaub.”
Die Dame öffnete daraufhin ihr Portemonnaie, entnahm einen Euro und warf ihn in meine kleine Keksdose.

Warum denn arbeiten?

Wieder machte ich diese schreckliche Erfahrung mit einem Kind. Dieses mal war es ein kleines Mädchen. Sie steckte ihre Hand in ihre Tasche, entnahm was sie an Geld hatte, schaute mich mitleidig an und warf es in meine Dose. Ich fühlte mich schrecklich. Wie ein Betrüger! Wenn ich überlege das sie wahrscheinlich auf einen Haufen Süßigkeiten verzichtete, nur das ich ein paar Cent in meiner kleinen Keksdose habe. Oh, ich fühlte mich dermaßen dreckig. Das Mädchen hatte auf jeden Fall ihr Herz am rechten Fleck.
Zusammen mit ihrem Geld machte ich in 2 Stunden und 13 Minuten 31,72 Euro, was einem Stundenlohn von 14,31 Euro entsprach. Wer braucht da noch einen Job?

Hier finden Sie die anderen Teile dieses Projekts:

Vorstellung des Projekts
Tag 1 und 2
Tag 5